Rückblick: A Year in Books 2017

Lesestatistiken und Tops und Flops 2017

Übermorgen beginnt schon das neue Jahr, das bedeutet, dass es wieder an der Zeit ist für meinen jährlichen (literarischen) „Rundumschlag“, auf den ich mich wirklich gefreut habe, da ich mir schon eine ganze Weile Gedanken darüber gemacht und Teile dieses Beitrags schon vor Wochen im Kopf formuliert habe. Denn mein allgemeiner Eindruck von diesem Lesejahr und bestimmte Tendenzen diesbezüglich haben sich bereits in den letzten Monaten abgezeichnet und mir gehörig zu denken gegeben. Denn auch wenn ich in diesem Jahr sogar noch ein paar mehr Bücher gelesen habe als letztes Jahr (aktueller Stand: 56 im Vergleich zu 51 gelesenen Büchern in 2016) und ich wieder zweimal mein Leseziel auf Goodreads höher setzen musste/konnte, bin ich in diesem Jahr ganz allgemein nicht ganz so zufrieden, was die Qualität der gelesenen Bücher angeht. Das zeigt sich schon allein daran, dass ich 2016 mühelos eine recht ansehnliche Zahl an Lesehighlights aufzählen konnte bzw. hätte können, während es in diesem Jahr (gefühlt) fast mehr Flops als Tops gab – zumindest dominierte bei mir (gerade in den letzten Monaten) das frustrierende Gefühl, bei der Lektüreauswahl eher danebengegriffen und (mal wieder) eine Niete anstatt eines Gewinns erwischt zu haben. Da drängte sich mir in letzter Zeit dann doch immer stärker die Frage auf, woran das liegen könnte. 

Da ich, was die gelesenen Bücher angeht, keine großartigen Experimente (sprich Genrewechsel o.Ä.) eingegangen bin, kann ich mir dieses „Phänomen“ eigentlich nur damit erklären, dass ich im vergangenen Jahr vielleicht (noch) kritischer geworden bin, als ich es eh schon war. Als kritische Leserin habe ich mich nämlich schon immer gesehen und vor allem auch durch mein Literaturwissenschaftsstudium gehe ich an Bücher mit einem geschärft(er)en und spezifischen Blick heran, doch eventuell hat meine Tätigkeit als Bloggerin nun ebenfalls dazu beigetragen, dass ich an meine Lektüren mittlerweile noch höhere Ansprüche stelle. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das positiv oder negativ werten soll, aber Fakt ist, dass mir die Tatsache, dass mich so wenig Bücher wie selten zuvor begeistern konnten und ich selbst bei denjenigen, die mich dann tatsächlich begeistern konnten, oft gezögert habe, fünf Sterne zu vergeben, teilweise deutlich die Freude am Lesen nahm und eine gewisse Hemmung bei der Lektüreauswahl entstehen ließ, besonders gegen Ende des Jahres. Eventuell – und hoffentlich, denn daran möchte ich glauben! – hatte ich in diesem Jahr aber auch tatsächlich einfach nur ein bisschen mehr Pech, wenn es darum ging, das passende Buch für mich, meine (damals) aktuelle Situation und Stimmung herauszusuchen, schließlich hängt eine gelungene Lektüreauswahl ja meistens auch von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.

Trotz allem freut es mich, dass ich es auch in diesem Jahr wieder geschafft habe, mein Lesepensum beizubehalten und sogar noch ein kleines bisschen zu steigern, den damit hätte ich in diesem Jahr, wenn ich ehrlich bin, nicht gerechnet – habe ich doch mehr als die Hälfte des Jahres damit verbracht, neben der „Freizeitliteratur“ vor allem Forschungsliteratur für meine Masterarbeit zu lesen und diese zu schreiben. In der heißen Schreibphase im Sommer habe ich aber dann festgestellt, dass mich das Lesen am Abend nach dem ganzen Schreiben tagsüber wirklich entspannt hat und so habe ich bis Juli mehr gelesen, als ich ursprünglich für möglich gehalten hätte. Ein Blick auf die Statistik zeigt die leseintensivsten und -schwächsten Monate:

Daneben und abgesehen von den größeren und kleineren Flops, auf die ich gleich noch im Detail zu sprechen kommen werde, hielt das Lesejahr 2017 noch weitere Überraschungen für mich bereit, die mir jetzt erst, nachdem ich es noch einmal Revue passieren lasse und statistisch auswerte, so richtig bewusst werden. So zeigt sich deutlich, dass ich recht ausgewogen auf Englisch und auf Deutsch gelesen habe, auch wenn es immer noch eine gewisse, wenn auch nicht mehr so stark ausgeprägte Tendenz wie früher hin zur englischen Literatur gibt. Besonders auffällig ist auch, dass sich mein Fokus weg von den Klassikern und (noch deutlicher) hin zur Gegenwartsliteratur verschoben hat, was ich als etwas schade empfinde, aber auf mein Bloggerdasein und die dadurch ständig wachsende Leseliste schiebe. Neben klassischen Romanen habe ich auch vermehrt zu Non-Fiction oder auch ab und zu einmal zu Kurzgeschichtenbänden gegriffen und das möchte ich auch im nächsten Jahr, wenn möglich, beibehalten:

 

 

 

 

 

 

 

 

Während es für mich nichts Neues (und übrigens auch nichts Verwerfliches) ist, dass der Großteil der Bücher, die ich gelesen habe, von Männern war, überrascht mich eine andere Statistik hingegen ziemlich: Bei den Top 3 Nationalitäten der Schriftsteller/innen hätte ich eine ganz andere Reihenfolge erwartet und ich hatte nicht damit gerechnet, dass die US-Amerikaner Spitzenreiter sein würden. Die Statistik bestätigt mir aber auch, dass ich dennoch – wie von mir angestrebt – recht divers gelesen habe und auch einige People of Colour unter den Autoren und Autorinnen vertreten sind, auch wenn da natürlich noch Luft nach oben ist und ich an diesem Punkt auch im nächsten Jahr wieder ansetzen werde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So, nun aber genug der Zahlen und allgemeinen Fakten. Lasst uns jetzt einmal meine kleine, aber feine Auswahl an Lesehighlights genauer anschauen:

Tops 2017

Salt to the Sea von Ruta Sepetys war ja von sämtlichen Bloggern und Bookstagrammern förmlich angepriesen geworden, sodass ich sehr neugierig geworden bin. Schlussendlich habe ich mir Salt to the Sea letztes Jahr zu Weihnachten gewünscht und es im Februar gelesen. Dieser unheimlich bewegende Roman war mein erstes Lesehighlight 2017 und er hat die Messelatte für all die danach folgenden Bücher ziemlich hoch gesetzt. In einer ausführlichen Rezension, die ihr HIER finden könnt, habe ich damals auch meine Gedanken zum Buch festgehalten.

Nicht lange nach Salt to the Sea ging es auch fast Schlag auf Schlag mit den nächsten zwei Highlights weiter. Auch Der Club von Takis Würger war in Bloggerkreisen enorm gehypt worden und ich war deswegen zunächst auch etwas skeptisch, aber die Zweifel waren unbegründet: Takis Würger hat mich mit seinem Debütroman im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen. Was mir an dem Roman besonders gut gefallen hat, könnt ihr HIER auch nochmal in meiner Rezension nachlesen. Im Übrigen habe ich das Buch mittlerweile auch schon ein paar Mal weiterempfohlen oder verschenkt und auch da war jede/r von Würgers Werk begeistert.

Nach Der Club folgte direkt ein weiteres meiner Lieblingsbücher des Jahres und auf dieses hatte ich mich auch schon sehr gefreut: Elefant, der neueste Roman aus der Feder von Martin Suter, einem meiner liebsten zeitgenössischen Schriftsteller. Dementsprechend zuversichtlich war ich auch, dass mir dieser Roman erneut gut gefallen würde – und es war tatsächlich so: Wieder einmal hat mit Suter mit seinen originellen Geschichten und unvergesslichen Charakteren in den Bann gezogen. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, dem kann ich es nur wärmstens ans Herz legen, und vielleicht überzeugt euch ja noch meine Rezension. Im Übrigen war es auch ein großes Highlight für mich, im Mai die Gelegenheit dazu bekommen zu haben, Ausschnitte des Romans vom Schriftsteller höchstpersönlich vorgelesen bekommen und das Genie hinter all diesen Werken einmal kurz getroffen zu haben – meine Eindrücke davon könnt ihr HIER noch einmal nachlesen.

Und jetzt kommen wir endlich zu meinem absoluten Lesehighlight dieses Jahres: The Heart’s Invisible Furies von John Boyne. Auch wenn mir die hier genannten Top-Bücher alle sehr gut gefallen haben, hat mich Boynes aktuellster Roman noch ein bisschen mehr berührt und mitgerissen als die anderen – an diesem Buch ist wirklich so ziemlich alles perfekt. Allerdings ist es zugegebenermaßen ein bisschen gemein von mir, hier so von einem Buch zu schwärmen, dessen Rezension auf diesem Blog trotzdem immer noch aussteht. Keine Sorge, sie wird noch kommen, aber bis dahin lasst euch einfach gesagt sein: The Heart’s Invisible Furies (erscheint übrigens im Mai bei Piper unter dem Titel Cyril Avery) ist ein wunderbarer und eimaliger Roman, der einem lange im Herzen bleibt.

Auch zu Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer wird noch eine ausführliche Rezension folgen, weswegen ich jetzt noch nicht allzu viel vorwegnehmen möchte. Vielleicht aber immerhin einmal so viel: Das Genie ist für mich eine der großen Überraschungen des Jahres, denn ich hätte anfangs nie damit gerechnet, dass mir der Roman so gut gefallen würde, da mich der Klappentext zunächst überhaupt nicht angesprochen hatte – doch Klaus Cäsar Zehrer hat mich mit seinem Debütroman eines Besseren belehrt und ich bin so froh, dass ich dem Buch eine Chance gegeben habe.

Tatsächlich waren das aber auch schon meine einzigen nennenswerten Highlights in diesem Jahr, auch wenn sicherlich noch ein paar Bücher dabei waren, die mir zwar recht gut gefallen haben, die mich aber dennoch nicht annähernd so mitgerissen haben wie die oben erwähnten. Und dann gab es eben leider auch noch (viel zu) viele Bücher, die mich bestenfalls gelangweilt haben und/oder mir gleichgültig waren oder die mich schlimmstenfalls frustriert und/oder maßlos enttäuscht haben. Die fünf Bücher, die mir aus diversen Gründen in besonders negativer Erinnerung geblieben sind, waren folgende:

Flops 2017

Im Fall von Fiston Mwanza Mujilas Tram 83 hatte ich mir wohl zu viel erhofft und wahrscheinlich vor allem etwas ganz anderes erwartet, denn mit dem, was der Autor mit seinem Roman liefert, konnte ich leider wirklich so gut wie gar nichts anfangen. Eine klare Struktur und eine konkrete Handlung habe ich hier vergeblich gesucht, es war für mich einfach alles zu konfus und fragmentarisch bzw. eben einen Hauch zu modern und am meisten störte mich die Sprache, die ich als zu anstößig empfunden habe.

Leider musste ich einige Zeit später dann auch eine weitere bittere Pille in Form eines Romans schlucken, der aus der Feder eines Schriftstellers stammt, den ich ansonsten sehr verehre: Robert Seethaler hat bei mir in diesem Jahr mit seinem Roman Die Biene und der Kurt wahrscheinlich für den größten Aufreger und die größte Empörung gesorgt. Warum? HIER habe ich die Gründe, weshalb ich mich über den Roman geärgert habe, in einer Rezension erklärt.

Als eine weitere große Enttäuschung in diesem Jahr verbuche ich die Life Class-Trilogie von Pat Barker. Obwohl ich Band 1 (Life Class) noch ganz in Ordnung, aber eben auch nicht so gut fand, wie ich es von Pat Barker eigentlich gewohnt bin (ihre Regeneration-Trilogie war im letzten Jahr immerhin eines meiner ganz großen Highlights), ging es mit Toby’s Room weiter bergab und über Band 3, Noonday, habe ich mich letztendlich noch viel mehr aufgeregt. So Vieles an der Trilogie, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg spielt, hat mich sehr gestört und ich kann und möchte die Bücher, wie auch in meiner ausführlichen Rezension beschrieben, nicht weiterempfehlen.

Über By Gaslight von Steven Price bin ich zufällig im Buchladen gestolpert und es hat mich sofort angesprochen. Ach hätte ich mal lieber die Finger von dem Buch gelassen und mein Geld sinnvoller investiert! Die Stichwörter „Viktorianisches London“ und „Detektivische Elemente“ haben mein Interesse geweckt, doch nach Spannung und einem detaillierten historischen Portrait habe ich hier vergeblich gesucht. Im Endeffekt handelte es sich hier nur um ein über 700 Seiten langes sinnloses Geplänkel, von dem ich am Schluss absolut nichts hatte. Außerdem wurde hier komplett auf das Setzen von Anführungszeichen verzichtet und das nervte auf Dauer wirklich gewaltig (und der Sinn davon erschloss sich mir auch nicht). So habe ich es danach sehr bereut, so viel Zeit an dieses vollkommen belanglose Buch verschwendet zu haben.

Ein weiterer Roman, bei dem ich viel erwartet hatte, aber eben nicht meine endgültige Haltung ihm gegenüber, war Lügnerin von Ayelet Gundar-Goshen: Statt mit der Protagonistin mitzufiebern und mitzufühlen, habe ich mich die meiste Zeit über sie aufgeregt und noch öfters wegen ihr mit den Augen gerollt. Auch die Geschichte allgemein hat mir nicht viel gegeben. Einzig für den Stil und die Sprache Gundar-Goshens konnte ich noch ein bisschen Bewunderung aufbringen, aber auch dieser Umstand konnte nicht darüber hinwegtrösten, dass mir das Buch einfach nicht gefallen wollte. Schade.

Gerade die eben aufgeführten größten Enttäuschungen meines Lesejahres, aber auch viele andere Bücher, die mich nicht so richtig begeistern konnten, ließen bei mir immer verstärkter den Gedanken aufkommen, dass ich im neuen Jahr nicht noch einmal so viel Zeit damit verbringen möchte, Bücher zu lesen, die mir nicht richtig gefallen oder über die ich mich nur aufregen muss. Schuld daran ist bzw. war eben immer meine ewige Hoffnung, dass sich das Blatt vielleicht noch einmal wenden und mir das jeweilige Buch dann doch noch gefallen könnte. Aber das war leider so gut wie nie der Fall. Deswegen möchte ich mir für nächstes Jahr vor allem vornehmen, konsequenter darin zu sein, Bücher abzubrechen. Das wird definitiv nicht leicht für mich werden, aber ich werde dann einfach versuchen, mir vor Augen zu führen, was für tolle Bücher ich stattdessen in der ganzen Zeit lesen könnte. Vielleicht muss es 2018 aber auch gar nicht so weit kommen, falls ich auch einfach wieder ein glücklicheres Händchen bei der Lektüreauswahl haben und wieder ganz automatisch zu den richtigen Büchern greifen sollte – hoffen wir mal auf das Beste!

Jetzt würde mich aber interessieren, wie euer Lesejahr so verlaufen ist! Wie viele Bücher habt ihr gelesen? Was waren eure Tops und Flops? Und was habt ihr euch für 2018 vorgenommen?
Erzählt mal!
🙂

Kommentare

  1. Liebe Elena,

    wie schade, dass Dein Lesejahr nicht mit genauso vielen Highlights gespickt war wie meins – ich drücke Dir fest die Daumen, dass sich das Blatt im neuen Jahr wieder wendet und du mehr überragende Bücher lesen wirst, als in diesem! Super finde ich ja Deine ausführlichen Statistiken – ich bin zwar auch ein totaler Liebhaber von Diagrammen und Co. und hab mir in meinem Bullet Journal auch einige angelegt, aber nicht einmal halb so viele wie Du, das finde ich echt spannend – vielleicht werde ich 2018 auch noch mehr tracken, als ich es dieses Jahr getan habe!

    Auf dass 2018 Dein Lesejahr wird und Du Dich vor neuen Lieblingsbüchern kaum noch retten kannst! Ich wünsche Dir einen großartigen Start in das neue Jahr!

    Viele liebe Grüße
    Liesa

    1. Liebe Liesa,
      vielen, vielen Dank dir – ich hoffe auch, dass es bei mir 2018 mindestens genauso gut läuft wie bei dir dieses Jahr. 🙂
      Was die Statistiken angeht, muss ich ja sagen, dass ich mir diesbezüglich das ganze Jahr über überhaupt keine Notizen o.Ä. gemacht und das (mehr oder weniger) “einfach” in den letzten Tagen anhand meines Goodreads-Bücherregals und der Übersichten dort erstellt habe. In dem Fall: Goodreads sei Dank! 😀
      Falls du 2018 mit dem Tracken weitermachst und du das dann vielleicht auch in deinen Jahresrückblick miteinbeziehst, bin ich auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie die Statistiken bei dir ausfallen werden. 🙂
      Auch dir ein mindestens genauso gutes, wenn nicht sogar noch erfolgreicheres Lesejahr 2018 und einen beschwingten Rutsch!
      Viele liebe Grüße,
      Elena

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