Langsam kehrt der (Lese-)Alltag wieder ein

Bereits im letzten Beitrag, im Übrigen auch ein Leserückblick, hatte ich mich für die Funkstille entschuldigt und Besserung gelobt, nur um dann im April gar nichts und jetzt erst wieder nach geschlagenen zwei Monaten einen Beitrag zu schreiben. Schande über mein Haupt! Allerdings war ich im März tatsächlich noch zu sehr damit beschäftigt, wieder so etwas wie einen Alltag aufzubauen, und darunter litt letztendlich auch mein Leseverhalten. Somit investierte ich im April, als es sich alles wieder so langsam aber sicher eingependelt hatte, erstmal viel Zeit darin, wieder potentielles „Material“ für den Blog zu sichten, sprich: Bücher zu lesen. Dieser Schwung, der im letzten Monat aufgekommen ist, ist mittlerweile zwar leider wieder etwas abgeebbt, weil ich in den letzten Wochen (zugegebenermaßen) mit der gemeingefährlichen „Netflixeritis“ zu „kämpfen“ hatte und in nächster Zeit auch wieder viel Außerordentliches ansteht. Deswegen sieht’s auch in den nächsten Wochen mit (halbwegs) regelmäßigen Posts leider immer noch etwas schwierig aus (sorry!), aber ich hoffe, ihr lasst euch vielleicht trotzdem von meinen Büchertipps inspirieren, denn Bücher sind ja zum Glück zeitlos – ganz besonders einige der Exemplare, die ich in den letzten beiden Monaten gelesen habe…

Gelesen im März und April 2018

Außer Leinsee von Anne Reinecke habe ich im März tatsächlich kein weiteres Buch gelesen. Traurig, aber wahr. Das lag jedoch nicht nur an den Umständen allgemein, sondern eben auch an der Lektüre selbst. Für Leinsee habe ich nämlich leider ziemlich lange gebraucht, was trotz meines generell eher langsamen Lesetempos kein gutes Zeichen ist… Aber mehr möchte ich an dieser Stelle dazu noch gar nicht sagen, da bald eine ausführliche Rezension zum Buch folgen wird – und das kann ich sogar versprechen, denn die Rezension ist schon geschrieben.

Still Me von Jojo Moyes habe ich dann als Ausgleich zu Leinsee direkt danach gelesen. Ich dachte mir, etwas Seichtes kann ja zur Abwechslung nicht schaden. Letzten Endes war mir der dritte Teil der Reihe um Lou(isa) Clark aber doch ein bisschen zu seicht. Mir hat Teil 3 immerhin zwar ein bisschen besser gefallen als der Mittelteil, dem ich so gut wie gar nichts abgewinnen konnte, aber auch Still Me konnte mich nicht wirklich überzeugen und hat mich (erneut) recht teilnahmslos zurückgelassen. Ich habe mich während des Lesens auch immer wieder gefragt, ob es sich wirklich lohnt, weiterzulesen. Aber da ich es ja generell immer noch nicht übers Herz bringe, Bücher abzubrechen, muss ich jetzt, nachdem ich es fertiggelesen habe, mit der Erkenntnis leben: Nein, es hat sich tatsächlich nicht gelohnt.

Call Me By Your Name von André Aciman stand auch schon eine ganze Weile auf meiner Leseliste und eigentlich wollte ich die Verfilmung davon auch Anfang des Jahres gerne im Kino sehen, habe es aber zeitlich leider nicht geschafft. Als ich das Buch dann zu einem für englische Bücher relativ günstigen Preis im Buchladen neben meinem Arbeitsplatz gesehen habe, an dem ich übrigens die Wochen davor eisern vorbeigelaufen war (ein bisschen stolz bin ich schon darauf!), weil ich hier ja noch genug ungelesene Bücher habe, musste Call Me By Your Name dann aber doch mit. Nach der durch Leinsee und Still Me bedingten Leseflaute tat Acimans Roman dann auch richtig, richtig gut, denn ich hatte ihn innerhalb weniger Tage förmlich verschlungen. Vor allem die wunderschöne, atmosphärische Sprache hat mir unheimlich gut gefallen, auch wenn mir Teile des Romans dann doch etwas zu detailliert und bildlich beschrieben waren. Der Text hat mir jetzt auch gereicht und ich muss den Film dazu nicht mehr unbedingt sehen.

High Fidelity von Nick Hornby ist auch so ein moderner Klassiker, der schon seit gefühlten Jahrzehnten auf meiner Leseliste steht. Ich hatte es zu Weihnachten von meinem Bruder geschenkt bekommen und jetzt fühlte es sich einfach so an, als wäre der richtige Zeitpunkt für das Buch gekommen. Ich wollte es ja vor allem lesen, weil Musik in der Geschichte so eine große Rolle spielt. Vielleicht hatte ich deswegen auch recht hohe Erwartungen an das Buch, denen es eventuell gar nicht gerecht werden konnte. Jedenfalls hat es mir prinzipiell ganz gut gefallen, vor allem der schwarze Humor hat genau meinen Geschmack getroffen, aber die Geschichte an sich ist meiner Meinung nach recht einfallslos und nichts Besonderes, weswegen ich High Fidelity letztendlich als „ganz in Ordnung, aber mehr auch nicht“ einstufen würde.

The Importance of Being Earnest von Oscar Wilde habe ich hingegen in vollen Zügen genossen, auch wenn das Stück aufgrund seiner Kürze ohnehin ein recht kurzlebiges Vergnügen ist. Als riesiger Fan von Oscar Wilde konnte ich es (auch im Lichte meiner baldigen Irlandreise) auch nicht länger auf mir sitzen lassen, dieses brillante Stück noch nicht gelesen zu haben. Die Geschichte um zwei Paare ist sehr kurzweilig, aber – typisch Wilde – unglaublich geistreich: Sämtliche Dialoge sprühen nur so vor (Wort-)Witz und Kalauer und bieten schier unendlich Material für clevere Zitate, die man sich am liebsten alle merken würde. Ich habe mich wirklich köstlich amüsiert und kann jedem nur wärmstens empfehlen, das Stück (und überhaupt Werke von Oscar Wilde) zu lesen.

Neuzugänge im März und April 2018

Da das Angebot an ungelesenen Büchern hier ja noch groß genug ist und ich in letzter Zeit auch nicht so viel Gebrauch von ihm mache, wie ich es gern würde, achte ich darauf, die Neuzugangsrate möglichst niedrig zu halten, neue Bücher nur in „begründeten Ausnahmefällen“ zu kaufen und einfach nicht (zu oft) schwach zu werden. Eigentlich klappt das soweit auch ganz gut und so sind in den letzten zwei Monaten auch nur wenige neue Bücher eingezogen:

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joël Dicker war beispielsweise ein Glücksfund im hiesigen öffentlichen Bücherschrank, den ich im März zum ersten Mal überhaupt besucht hatte: Zwischen all den alten, teils wirklich eher schlecht als recht erhaltenen Büchern bin ich tatsächlich auf diese ziemlich makellose Weltbild-Ausgabe des Bestsellers Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert gestoßen, der aufgrund vieler begeisterter (Blogger-)Kritiken ebenfalls schon eine Weile auf meiner Leseliste stand. Ich habe mich sehr über den Fund gefreut, auch wenn es noch ein bisschen dauern wird, bevor ich mich diesem Schmöker widmen werde, schätze ich.

Africa’s Tarnished Name von Chinua Achebe habe ich mir dann tatsächlich einfach so einmal gegönnt, da ich noch kein Büchlein aus dieser neuen „Penguin Modern Classics“-Reihe besitze, im letzten Jahr bereits eine andere Essaysammlung von Achebe begeistert gelesen hatte und mir auch sicher war, dass ich dieses kleine Heftchen auch schnell gelesen haben würde, wenn ich denn mal richtig damit anfange, denn bisher habe ich es nur auf einer Busfahrt kurz angelesen. Das Eingangszitat, das sich übrigens perfekt für meine Masterarbeit geeignet hätte, hat mich bereits sehr angesprochen, von daher kann der Rest nur mindestens genauso gut sein.

Heinrich Bölls Irisches Tagebuch zählt zu den oben erwähnten „begründeten Ausnahmen“, denn ich habe es im Hinblick auf die anstehende Irlandreise gekauft. Im Grunde wollte ich das Buch auch schon immer mal lesen, aber jetzt hat sich eben die perfekte Gelegenheit dazu ergeben. Eigentlich wollte ich es auch schon vor der Reise gelesen haben, allerdings bin ich bisher nicht über zwanzig Seiten hinausgekommen, weil ich mir gleichzeitig auch eine GEO Epoche-Ausgabe über Irland besorgt hatte und mich das in den letzten Tagen mehr gereizt hat. Aber gut, dann kommt Bölls Tagebuch eben am Sonntag mit auf die Reise – dagegen spricht ja schließlich auch nichts.

(Übrigens zählt strenggenommen auch Call Me By Your Name zu den Neuzugängen, da ich es auch erst im März gekauft habe. Da es aber schon auf dem “Gelesen”-Stapel lag, hab ich das erst jetzt realisiert, ups.)

Obwohl ich, ehrlich gesagt, nicht daran glaube, dass ich auf der Reise nächste Woche dann groß zum Lesen kommen werde, nehme ich es mir jetzt einfach mal vor. Trotzdem wird die Lesebilanz für diesen Monat schätzungsweise nicht allzu rosig ausfallen, weswegen der nächste Leserückblick wahrscheinlich auch wieder eine Zusammenfassung von zwei Monaten sein wird. Zwischendurch wird es aber auf alle Fälle mindestens zwei Rezensionen geben, die sich schon in der Pipeline befinden und bald veröffentlicht werden wollen. Bis dahin wünsche ich euch aber erst einmal ein schönes verlängertes Wochenende mit hoffentlich viel Zeit zum Lesen!