Bericht: Frankfurter Buchmesse am 11. Oktober 2018

FBM Runde 2 – Teil 2/3

Messetag 2

Noch ganz beseelt (oder auch: „beseethalert“ :D) von den Eindrücken und schönen Begegnungen des ersten Messetags startete ich mit voller Energie und extra früh in den zweiten Tag auf der Frankfurter Buchmesse, an dem sich ein Highlight an das andere reihte.

Geballte Schwabenpower mit Denis Scheck

Beschwingt und voller Vorfreude auf die ganzen Veranstaltungen trieb ich mich bis um 10 in Halle 3.0 mit den großen Publikumsverlagen herum, bis ich mich wieder zur ARD-Bühne aufmachte, um Denis Scheck mit einem Best Of seiner Sendung „Druckfrisch“ zu sehen. Voller Erwartung saß ich da dann eine Weile herum, bis mir auffiel, dass ich dafür eine Stunde zu früh dran war… Aber gut, diese Zeit nutzte ich dann effektiv, um ein bisschen die Hallen mit den internationalen Verlagen zu erkunden und auch schon mal kurz in Halle 3.1 vorbeizuschauen, wohin in diesem Jahr zum Beispiel auch Das Blaue Sofa umgesiedelt worden war. Nachdem ich zurück an der ARD-Bühne sogar noch einen kurzen Blick auf Inger-Maria Mahlke, die diesjährige Buchpreisträgerin, erhaschen konnte, war dann auch endlich die Stunde für „Druckfrisch“ gekommen und ich kam in den Genuss von Denis Schecks herrlich amüsanten Buchvorstellungen. Besonders gut gefallen haben mir seine Kritiken zu Donald Trumps Wie man reich wird und Kollegahs Das ist Alpha – mich hat’s fast zerrissen! Außerdem hat Scheck so sehr von Maxim Billers Roman Sechs Koffer geschwärmt, dass ich ihn jetzt vielleicht doch lesen muss, auch wenn mich die Leseprobe damals nicht direkt angesprochen hatte.

Wie Martin Suter mein Leserherz (fast) brach

Von all den anregenden Empfehlungen schwirrte mir fast der Kopf, sodass es umso praktischer war, dass ich mich zur Mittagszeit mit der lieben Eliane von Mint & Malve verabredet hatte. Mit leckeren Crêpes haben wir es uns bei schönstem Sonnenschein auf einer Wiese im Schatten (in der Sonne waren die Temperaturen dann doch fast schon zu hochsommerlich) gemütlich gemacht und natürlich über das Thema der Stunde geplaudert: Literatur, wie sollte es auch anders sein? Bevor es für uns jeweils schon zu den nächsten Terminen weiterging, schlenderten wir noch gemeinsam durch die internationalen Hallen und schauten uns unter anderem französische Kinderbücher an, die für meine inzwischen leider doch ziemlich rudimentären Französischkenntnisse wahrscheinlich gerade richtig wären. Aber genug gescherzt, weiter ging’s zu Halle 3 und dem Stand der Süddeutschen Zeitung, denn dort sollte um 13.30 Uhr ein Interview mit Martin Suter stattfinden. Dafür hatte ich mich nämlich auch mit der lieben Bookstagrammerin Valérie (oliviaplotwist) und Verena von bookstravelandtea verabredet. Bei meiner Ankunft fand dort gerade noch ein Gespräch mit Chris Kraus statt und fast wäre ich, nachdem ich die beiden schon von Weitem erblickt hatte, mitten durchs Bild gelaufen, habe aber gerade noch die Kurve gekriegt. Leider wurde unsere Freude aber schnell getrübt, denn wir erfuhren quasi nebenbei von einer Mitarbeiterin, dass die Veranstaltung wegen einer Erkrankung Suters leider kurzfristig ausfallen musste. Das bedeutete dann auch, dass das zweite Interview mit Martin Suter auf der ARD-Bühne eine Stunde später sowie auch seine Teilnahme am Diogenes Talk um 16 Uhr damit ebenfalls abgesagt waren. Um ehrlich zu sein, war ich deswegen sehr geknickt, weil ich mich nach der grandiosen Lesung in Tübingen im letzten Jahr sehr auf den charismatischen Schweizer Autor gefreut hatte, aber es sollte halt einfach nicht sein und zum Glück konnten mich meine beiden supernetten Begleiterinnen bei unseren Streifzügen durch die verschiedensten Hallen auch schnell wieder auf andere Gedanken bringen – außerdem sollte mich später auch noch jemand ganz Besonderes über meinen Suter-Schmerz hinwegtrösten.

Talkrunde à la Diogenes

Um 16 Uhr ging es dann nämlich zusammen mit Ursula in das äußerst gemütliche Frankfurt Pavillon zum heiß ersehnten Diogenes Talk, der in diesem Jahr zum allerersten Mal stattfand. Verleger Philipp Keel höchstpersönlich plus sechs AutorInnen aus dem Hause Diogenes waren dafür angekündigt – am Ende waren’s in dem Fall dann zwar nur noch fünf, aber die Namen konnten sich definitiv sehen lassen: Neben den beiden Thrillerspezialisten Katrine Engberg und Mick Herron machten noch Chris Kraus, Anne Reinecke und Benedict Wells (zusammen mit Moderatorin Shelly Kupferberg) die illustre Runde komplett. Nach einem kurzen, aber sehr unterhaltsamen Gespräch zwischen Shelly Kupferberg und Philipp Keel über den Verlag allgemein und die Arbeit als Verleger im Speziellen nahmen dann auch sogleich Katrine Engberg und Mick Herron auf der Bühne Platz und bestätigten im Handumdrehen die von Keel so treffend formulierte Prämisse des Verlags, „mit Menschen zu arbeiten, mit denen man auch gerne am Tisch sitzt, lacht und ein Bier trinkt.“ (Das Thema „Trinken“ und „Alkohol“ sollte sich dann – ein bisschen zum Leidwesen Keels, wie es mir schien – auch noch wie ein Running Gag durch das gesamte Gespräch ziehen.) Auch wenn Thriller und Krimis ja bekanntermaßen nicht gerade zu meinen favorisierten Genres zählen, hörte ich den beiden Autoren doch sehr gerne zu, was vor allem daran lag, dass sie eben sehr sympathisch und authentisch wirkten – und vor allem habe ich als großer UK-Fan natürlich Mick Herrons tollen britischen Akzent und herrlichen Humor besonders genossen. Die beiden erzählten viel von ihrer Arbeit als Schriftsteller und so erfuhren wir zum Beispiel, dass Katrine Engberg beim Schreiben am liebsten auf einem Stuhl sitzt, der ihrem verstorbenen Vater gehörte, und Mick Herron nur daheim arbeiten kann, er allerdings nicht viel von intensiver Recherche hält, da das ja, wie er lachend zugab, Arbeit sei, er dafür jedoch viel zu faul sei und sich deshalb Sachen lieber selbst ausdenke. Zur Sprache kam auch die teilweise doch recht Diogenes-untypische Aufmachung der Cover wie im Fall von Herrons Roman Slow Horses, woraufhin Philipp Keel erklärte, dass sie vom Buchhandel die Rückmeldung bekommen hätten, Thriller doch bitte anders zu verpacken, wenn sie ihre Bücher weiter verkaufen wollten – die Krux an der Sache sei jedoch, dass sie, wenn sie es dann wie gewünscht machten, wieder gefragt würden, warum das entsprechende Cover nicht im klassischen Diogenes-Stil gehalten sei. „Und so geht es mir den ganzen Tag,“ fasste Keel seine Verlegertätigkeit mit einem Augenzwinkern zusammen.

Nachdem die Vier über die Hälfte der für den Talk angedachten Zeit geplauscht hatten, übernahmen dann die nächsten drei Autoren die Bühne. Den Anfang machte Chris Kraus, der zunächst etwas abwesend und fast überrascht wirkte, als er von Kupferberg angesprochen wurde – einfach herrlich sympathisch! Der bisher vor allem als erfolgreicher Regisseur bekannte Kraus erzählte, dass ihn die Auseinandersetzung mit seinem Leben und seiner Familiengeschichte zum Schreiben seiner beiden bisher erschienen Romane Das kalte Blut und Sommerfrauen, Winterfrauen getrieben habe. Anne Reinecke wiederum berichtete, wie manche Menschen, die sie bei ihrer Arbeit als Stadtführerin treffe, teilweise als Inspiration für Figuren in ihrem Roman Leinsee dienten. Heimlicher Star der Runde war aber natürlich Benedict Wells, der von allen Seiten gelobt wurde und sich wie immer auf seine charmante, bodenständige Art ein bisschen schwer damit tat, all die (verdiente!) Anerkennung zu akzeptieren. So erklärte er, als der große internationale Erfolg seines Bestsellerromans Vom Ende der Einsamkeit zur Sprache kam, dass die sieben Jahre mit dem Buch auch nicht nur witzig, sondern auch belastend gewesen seien, woraufhin auch Philipp Keel betonte, dass ein solcher Erfolg nicht nur ein Glück, sondern auch eine Herausforderung sei – dennoch sei es durchaus etwas ganz Besonderes, es mit seinem Buch bis nach Amerika zu schaffen, stellte Keel Beifall klatschend fest, worauf das Publikum gleich miteinstimmte und Benedict Wells, bescheiden wie er ist, hingegen sogleich versuchte, von seiner Person abzulenken, schließlich verdienten die anderen Autoren, die mit ihm auf der Bühne seien, genauso viel Applaus. Viel zu schnell war der 90-minütige Talk zu Ende, aber zum Glück gab es direkt im Anschluss sozusagen eine Fortsetzung beim Sektempfang am Diogenes-Stand.

Feucht-FRÖHLICHER Messeausklang am Donnerstag

So ging’s dann direkt im Anschluss wieder in Halle 3, wo sich Zuhörer, Verlagsmitarbeiter und AutorInnen in einem bunten Getummel zu einem Glas Sekt trafen. Auch Benedict Wells war dabei, um den sich im Handumdrehen eine Gruppe von begeisterten LeserInnen scharte, sodass er kurzerhand beschloss, eine inoffizielle Signierstunde abzuhalten – und wer schon einmal Zeuge einer solchen Aktion wurde bzw. seine Bücher nach einer Lesung hat widmen lassen, der weiß, welche Ausmaße das bei Benedict annimmt. Auch ein Mitarbeiter des Verlags gab Wells offenbar zu bedenken, ob das denn eine gute Idee sei, aber dieser ließ sich nicht davon abbringen, sich Zeit für seine Leser zu nehmen, und signierte entschlossen drauf los. Ich meine, ganz ehrlich, muss man dazu noch was sagen, außer vielleicht: Große, große Liebe?! Also reihten auch Ursula, die während des Talks dem Wellsfieber dann auch endgültig zum Opfer gefallen war, und ich uns in die Signierschlange ein und mussten zum Glück gar nicht so lange warten, bis Benedict unsere Ausgaben von Die Wahrheit über das Lügen signierte und wir ein paar Worte mit ihm wechseln konnten. Mit ein, zwei Gläsern Sekt konnten wir dann auch gleich auf unser größtes Messehighlight anstoßen, haben noch eine ganze Weile in fröhlicher Runde geplauscht und  Anne Reinecke hat mir zum Abschluss auch noch meine Ausgabe von Leinsee signiert und sich über den jungfräulichen Buchrücken gewundert. Ob ich das Buch denn schon gelesen hätte, fragte sie mich. Ich erklärte ihr, dass ich beim Lesen immer sehr sorgsam mit meinen Büchern umginge. “Da sollten Sie mal meine gelesenen Bücher sehen”, entgegnete mir die sympathische Autorin lachend und verschwand wieder in der Menge.

Zu Teil 1 und Teil 3

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