Bericht: Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober 2018

FBM Runde 2 – Teil 3/3

Messetag 3

Nach einer – der ganzen gestrigen Aufregung geschuldeten – etwas kürzeren Nacht startete ich dennoch früh in meinen letzten Messetag, um noch möglichst viel davon mitnehmen zu können.

Afrikanische Literatur im Fokus

Los ging es nämlich schon um 10 Uhr mit einem vielversprechenden Talk zum Thema „Writing in Transition – African Literature on the Move“ im Frankfurt Pavillon. Ich hatte mich schon die ganze Zeit nicht nur auf das Thema gefreut, sondern auch darauf, Ilija Trojanow, der mich letztes Jahr bei einer Lesung in Tübingen sehr beeindruckt hatte, wiederzusehen. Tatsächlich war’s dann aber doch die eingeladene Autorin Tsitsi Dangarembga, die mich an dem Vormittag dann so richtig begeisterte: Ich hatte ihren Namen, obwohl ich mich studienbedingt ja recht viel mit afrikanischer Literatur beschäftigt habe bzw. immer noch auch über das Studium hinaus beschäftige, ihren Namen noch nie gehört oder gelesen, und so konnte mich diese kluge und inspirierende Frau mit ihren Ideen und Ansätzen zu Themen wie (Im-)Migration, Kolonialismus, Multikulturalismus und Feminismus nur positiv überraschen. Vieles, was angesprochen wurde, traf genau meinen Nerv und entsprach auch oft den Fragestellungen, denen ich in meiner Masterthesis nachgegangen bin, weswegen ich bei Sätzen wie „Whatever happens in Africa, you think it happens to THEM – but it happens to YOU“ oder „We find out who the other is by hearing their story“ nur mit energischem Kopfnicken zustimmen und klatschen konnte. Somit war es mir eine große Freude, diese (für mich) neue afrikanische Stimme dank der Buchmesse entdeckt zu haben und mit ihrem ersten Roman Nervous Conditions, den ich mir direkt gekauft habe und signieren ließ, nun auch ein Werk, das in Simbabwe spielt, lesen zu können.

#BuBla18

Nach diesem wirklich großartigen Talk habe ich mich mit der lieben Lisa von Romantastisch, mit der ich auch schon auf der LitblogCon im Juni unterwegs war, getroffen und wir sind ein bisschen durch die Hallen 3 und 3.1 geschlendert, bis es dann um 12 hieß: Auf zur Verleihung des Buchblog-Awards 2018! Zusammen mit Ursula, Juliane von I am Jane und Tina von Kill Monotony – und gefühlt der gesamten Literaturblogger- und Bookstagram-Szene – warteten wir gespannt auf die Verkündung der neun GewinnerInnen. Allzu spannend gestaltete sich die Preisverleihung dann jedoch nicht, weil das Ganze erstaunlich schnell und für meinen Geschmack ziemlich unfeierlich über die Bühne ging. Die Rede von Sarah Reul – besser bekannt als “Pinkfisch” – sowie die einzelnen Laudationes haben mir zwar sehr gut gefallen, aber ich fand es etwas schade, dass die GewinnerInnen gar nicht selbst zu Wort kamen, obwohl am Ende trotz der ganzen Hektik eigentlich noch genügend Zeit gewesen wäre. Dennoch war es natürlich schön, dass die Arbeit von Buchbloggern auf diese Weise erneut gewürdigt wurde.

Neues bei Diogenes

Auf diesen Schnelldurchlauf gönnten wir uns anschließend erst einmal ein kleines Pommes-Päuschen auf der Agora, hielten es bei den hochsommerlichen Temperaturen dann aber doch nicht allzu lange in der Sonne aus und verzogen uns wieder in die Messehallen, wo wir wirklich kreuz und quer unterwegs waren und noch einmal alles abklapperten, was bis jetzt noch zu kurz gekommen war. Frühzeitig machten wir uns dann aber auch schon auf die Suche nach dem Raum, in dem das Diogenes-Bloggertreffen (und mein letzter Messetermin) stattfinden würde. Nachdem Charlie zu uns gestoßen war, dauerte es auch nicht mehr lange, bis es losging und der erste Überraschungsgast Katrine Engberg schon in den Startlöchern stand. Die sympathische und quirlige Dänin erzählte uns in beinahe perfektem Deutsch von ihrem doch recht bewegten Leben vor ihrer Schriftstellerkarriere: Engberg ist nämlich ausgebildete Tänzerin und arbeitete jahrelang als Choreografin und Regisseurin, bevor sie mit dem Schreiben begann. Wie sie es selbst beschrieb, hatte sie damals immer das Gefühl, eine schöne Jacke zu tragen, die ihr jedoch nicht passte, und erst mit dem Schreiben endgültig eine passende Jacke für sich gefunden zu haben, in der sie sich nun komplett wohlfühle. Trotzdem dienen ihr ihre früheren Erfahrungen in der Theater- und Fashionwelt nun als Inspirationsquelle für ihre Romane, wie sie sogar mit viel körperlichem Einsatz am Beispiel der Kronleuchterszene in ihrem Roman Krokodilwächter festmachte – und auch für den Fortsetzungsroman konnte sie aus dieser Quelle schöpfen, wie sie verriet. Aber nicht nur der neue Thriller von Katrine Engberg verspricht, eines der Highlights im Frühjahrsprogramm von Diogenes zu werden: Unter anderem gibt es auch Neues von Ian McEwan, Anthony McCarten, Ingrid Noll und zu meiner großen Freude nach langer Zeit auch wieder neuen Stoff von Joey Goebel. Man darf also gespannt sein!

Als zweiter Überraschungsgast crashte Chris Kraus schließlich noch die Bloggerrunde bei einem Stärkungspäuschen, aber das war dann durchaus zu verkraften, schließlich las er uns mit voller Inbrunst aus seinem Roman Sommerfrauen, Winterfrauen vor und erzählte uns von seinen Erlebnissen als junger Filmstudent in New York, die auch die autobiografische Grundlage für das Buch schufen. Bisher hatte mich der Roman nicht wirklich angesprochen, aber nach dieser Lesung bin ich jetzt echt neugierig und werde ihn vielleicht sogar lesen – am besten wär’s aber natürlich, wenn Chris Kraus ihn mir direkt vorlesen würde, denn er ist wirklich ein sehr begnadeter Vorleser, das muss man sagen.

Nach diesem krönenden Abschluss habe ich mich auch gefragt, was jetzt noch kommen soll, denn immerhin war es auch schon halb sechs. Tatsächlich gab es dann wirklich nichts mehr allzu Spektakuläres auf meinem letzten Messerundgang, der mich nochmals in Halle 3 (und da zum Lieblingsstand – dreimal dürft ihr raten, wer das wohl ist? 😉 ) und anschließend in die internationalen Hallen führte, wo in Halle 4.2 die Iren zu schönen Folkklängen Feierabend machten und ich am liebsten mitgefeiert hätte. So habe ich dann aber auf einer Bank auf der Agora ganz im Stillen Abschied von der Frankfurter Buchmesse genommen, während ein Besucher und Verlagsmitarbeiter nach dem anderen auf dem Weg zur Bahn an mir vorbeihetzten und bis es dann auch für mich Zeit für den Heimweg war, obwohl ich eigentlich am liebsten dageblieben wäre. Aber gut, auch die Buchmesse geht ja nicht ewig, leider.

Eine beseelte Buchmessezeit

So haben mich meine Füße an dem Abend dann fast ein bisschen widerwillig nach Hause getragen und ich habe tatsächlich kurz mit dem Gedanken gespielt, auch am Samstagvormittag noch einmal auf die Messe zu gehen. Da sich die Erkältung aber bereits ankündigte und ich auch im Grunde alles gesehen habe, was ich sehen wollte, habe ich es dabei beruhen lassen und blicke nun mehr als zufrieden und zutiefst dankbar auf die drei Messetage zurück. Ich habe so viel erlebt, so viele großartige Autoren und Autorinnen gesehen oder sogar getroffen, so vielen interessanten Gesprächen gelauscht, unzählige tolle Bücher bestaunt und so viele liebe Menschen wiedergesehen oder kennengelernt. Es war mir wirklich eine große, große Freude! Ich fühle mich unglaublich bereichert und bin mir sicher, noch lange von den Messeerlebnissen und all den kleinen und großen Augenblicken zehren zu können und kann es jetzt schon kaum bis nächstes Jahr erwarten. Von daher: See you soon, Frankfurt!

Zu Teil 1 und Teil 2

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Kommentare

  1. Petra Reich

    Liebe Elena, ein sehr schöner Blick auf die FBM! Hat mich gefreut, einen Teil davon mit dir erlebt zu haben. Wie du schon sagst: See you!

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