Bericht: Frankfurter Buchmesse am 14. und 15. Oktober 2017

Emerald Notes Goes #FBM

Letztes Wochenende gab es für mich persönlich und auch für meinen Blog mal wieder eine Premiere: Ich war zum allerersten Mal in meinem Leben auf einer Buchmesse. Den Traum, einmal die Frankfurter Buchmesse zu besuchen, hatte ich zwar schon länger gehegt, aber bisher war meistens aus terminlichen und organisatorischen Gründen nie etwas daraus geworden. Dieses Jahr hatte ich mir, nicht zuletzt wegen des Blogs, die FBM allerdings fest auf die Fahne geschrieben – komme, was wolle. Da die Unterkunft und die Art der Hin- und Heimreise jedoch eine ganze Weile noch nicht ganz feststanden und ich mir in der Zwischenzeit Tickets für zwei Konzerte, die in der Buchmessewoche stattfinden sollten und denen ich als Konzertjunkie beim besten Willen nicht widerstehen konnte, gekauft hatte, blieb am Ende nur noch das Messewochenende übrig. „Eineinhalb Tage Messe sind besser als gar nichts,“ dachte ich mir, auch wenn ich schon im Vorhinein ein bisschen Bammel vor den Besucherströmen hatte.

Somit machte ich mich nach „kurzen“, konzertbedingten Zwischenstopps in Stuttgart und München an den vorherigen beiden Tagen am Samstag um 5 Uhr morgens auf den Weg in die nächste Großstadt, nämlich nach Frankfurt am Main. Auf der Hinfahrt konnte ich glücklicherweise noch ein bisschen Schlaf nachholen und so kam ich um kurz nach halb 10 halbwegs fit und erholt in der Mainmetropole an – und die Energie sollte ich später auf alle Fälle auch brauchen! Leider lag meine Unterkunft nämlich etwas außerhalb, sodass es mit der Bahn gute 30 Minuten Fahrt bis zum Messegelände waren. Es war bereits Viertel nach 10, als ich noch mitten in der Schlange bei der Taschenkontrolle am Eingang steckte und deswegen immer nervöser wurde, weil ich in 15 Minuten einen Verlagstermin hatte. Kaum durch die Kontrolle durch, versuchte ich hektisch, mich zu orientieren und möglichst schnell zu dem entsprechenden Hallenabschnitt zu gelangen, aber wenn man noch nie auf dem Messegelände war und sofort im Gedränge verschluckt wird, ist das mit der raschen Orientierung zugegebenermaßen alles andere als einfach…

Völlig außer Atem und etwas verschwitzt (große Eile und das tropische Klima in Halle 3.0 vertragen sich nämlich leider nicht so gut…) habe ich den Diogenes-Stand zum Glück dann doch noch halbwegs rechtzeitig gefunden. Mein erster Messetag startete somit zwar ziemlich stressig und weniger „glamourös“ als geplant, aber bei dem äußerst angenehmen Gespräch mit Susanne vom Diogenes Verlag konnte ich dann ein bisschen zur Ruhe kommen und erstmals ein bisschen in die Messewelt und -vorgänge eintauchen, während ich einen kleinen Einblick in das neue Verlagsprogramm bekommen habe. In diesem Zusammenhang sei schon einmal so viel gesagt: Diogenes bietet für das Frühjahr wieder ein vielfältiges und sehr ansprechendes Programm, bei dem für jeden Leser etwas dabei sein sollte. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf einige Romane und meine Neugier ist nun so groß, dass es passieren könnte, dass ich dann sogar auch mal außerhalb meiner üblichen Genres lesen werde, wir werden sehen.

Anschließend verbrachte ich noch ein bisschen Zeit am Stand und blätterte durch die ausgestellten Bücher. Der Diogenes-Stand war ja eines der Dinge, auf die ich mich am meisten gefreut hatte, und ich wurde nicht enttäuscht, denn ein bisschen fühlte es sich tatsächlich wie Heimkommen an: Die Standkonzeption wirkte stilvoll und stimmig und rückte aufgrund der Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit nicht nur die Bücher ins rechte Licht, sondern lud damit auch zum Verweilen und Wohlfühlen ein – und das galt für Besucher wie für Autoren, welchen man in der gemütlichen Atmosphäre völlig ungezwungen begegnen konnte. So traf ich dort gegen Mittag beispielsweise Klaus Cäsar Zehrer, der meine Ausgabe von Das Genie signierte und mir bereits für meine Rezension dazu dankte, die hier bald erscheinen wird – allerdings versicherte ich ihm auch, dass es sich dabei auch sicherlich um keinen Verriss handle. Nach einer kurzen Erkundung der Umgebung und der Agora hielt ich bei Diogenes auch noch ein kleines und sehr feines Pläuschchen mit Grégoire Hervier über die Musik und das Schreiben. Mit seiner sympathischen Widmung könnte Herr Hervier Benedict Wells tatsächlich fast (aber auch nur fast 😉 ) Konkurrenz machen und unsere nette Unterhaltung zählt definitiv zu meinen Messehighlights.

Takis Würger auf dem blauen Sofa

Danach ließ ich mich noch etwas von dem Trubel in Halle 3 treiben und schaute mir die Stände der großen Publikumsverlage an, doch ich fühlte mich immer noch ein bisschen überfordert – oder vielleicht besser gesagt: erschlagen – und wich schnell in eine der anderen Hallen aus. So schaute ich mir zunächst Halle 4.1 an, in der ebenfalls Literatur und Sachbücher ausgestellt und auch namhafte Verlage angesiedelt waren, aber in der bereits deutlich weniger los war. Auf meinem Weg zu den internationalen Verlagen kam ich nachmittags dann auch eher zufällig beim „Blauen Sofa“ vom ZDF vorbei, wo sich gerade Takis Würger zum Interview bereitmachte. Ein schöner Zufall, wie ich fand, und so nahm ich auf einer der Sitzgelegenheiten Platz, auch wenn ich den Schriftsteller ja dieses Jahr schon während einer Lesung live erleben durfte. Gewohnt eloquent und nonchalant gab Würger im Gespräch mit Daniel Fiedler einige Hintergründe zu seinem Roman Der Club und seiner Schriftstellertätigkeit preis, die mir auch noch nicht bekannt waren. Im Anschluss schlenderte ich durch die Stände der internationalen Verlage in Halle 6, das allerdings eher im Schnelldurchlauf, da hier überhaupt nichts los war und ich mir dort deswegen etwas fehl am Platz vorkam. Hier scheinen wohl größtenteils Lizenzgeschäfte abzulaufen, weswegen sich das breite Publikum dorthin eher seltener verirrt.

Um auch ein wenig von dem herrlichen Wetter abzukommen, bummelte ich dann über die Agora, ließ das bunte Treiben ein wenig auf mich wirken und schaute mir den beeindruckenden Containertower von Kein & Aber von innen und außen an. Auf drei Stockwerken stellte der Verlag, der für seinen bunten Buchschnitt bekannt ist, seine Bücher aus, in der vierten Etage gab es ein liebevoll gestaltetes Hotelzimmer, in dem Bücherliebhaber übernachten konnten und abends jeweils eine Gute-Nacht-Geschichte von einem der Autoren vorgelesen bekamen, und oben konnte man auf einer kleinen Terrasse den Messetrubel beobachten. Hier erst sah man, wie lang die Schlangen für die Signierstunden von Nicholas Sparks und Cassandra Clare waren und ich beneidete die Leute wirklich nicht darum. Man hätte also meinen können, die meisten Besucher befänden sich entweder in einer der beiden Schlangen oder sonst wo im Freien und somit wagte ich mich an dem Tag noch einmal in Halle 3.0, doch immer noch herrschte hier ein reges Treiben. Das machte sich vor allem auch an diversen Verlagsständen bemerkbar, die aufgrund ihrer Gestaltung ohnehin sehr vollgestopft wirkten und deswegen nicht allzu zugänglich waren und bei denen ich es dann letztendlich auch bei einem Blick von außen beließ. Ein weiterer schöner Zufall war jedoch, beim Stand von Random House einen kurzen Blick auf Melanie Raabe, die sich gerade angeregt mit einer Verlagsmitarbeiterin unterhielt, zu erhaschen. Irgendwie witzig, dass ich an dem Tag gleich zwei Autoren, die ich bereits vorher bei Lesungen gesehen hatte, eher beiläufig über den Weg gelaufen bin.

Dennis Scheck stellt seine literarischen Highlights des Jahres vor

Etwas reizüberflutet und voller neuer Eindrücke, die ich noch nicht ganz einordnen konnte, machte ich mich dann nach sechs Stunden Messe etwas ermattet auf den Weg zu meiner Unterkunft, denn am nächsten Tag hatte ich ja auch noch ein bisschen Zeit, all die anderen für mich interessanten Messeecken zu erkunden. Dort standen für mich dann vor allem die Hallen F.0 und F.1 mit der ARD und der Ehrengastpräsentation sowie Halle 4.0, in der Papeterie und Geschenke ausgestellt waren, auf dem Programm. So kam ich am Sonntagvormittag gerade rechtzeitig in der Halle der ARD an, um Dennis Scheck bei „Best of Druckfrisch“ zu lauschen – wieder ein Zufall, der mir große Freude bereitete.

 

Adele Neuhauser im Gespräch mit Andrea Ballschuh

Anschließend wandelte ich durch die Halle, die dem diesjährigen Ehrengast Frankreich gewidmet und mit einer Holzkonstruktion äußerst eindrucksvoll gestaltet war. Indem ich einigen der Lesungen und Gespräche lauschte, stellte ich meine Französischkenntnisse auf die Probe, musste mich aber schnell geschlagen geben und machte mich ein letztes Mal auf den Weg in Halle 3.0. Dort war zwar etwas weniger los als am Vortag, aber immer noch genug, sodass ich hier nur noch einmal die Gelegenheit nutzte, einige der Gänge bzw. Hallenteile abzulaufen, in die ich am Tag davor noch nicht vorgedrungen war. Ich war selbst überrascht, welche tollen Verlage (z.B. Reclam und Hoffmann & Campe) mir bis dahin entgangen waren und wie viel Neues man auch beim mehrmaligen Durchlaufen noch entdecken kann. Irgendwann hatte ich hier dann aber auch das Gefühl, alles für mich Relevante gesehen zu haben und so ging es für mich dann zum Schluss noch einmal zur ARD-Bühne, auf der um 12.30 Uhr Adele Neuhauser ihre Autobiografie vorstellte. Im Gespräch mit Andrea Ballschuh erzählte Neuhauser von ihrer Karriere, Schicksalsschlägen und vor allem davon, wie sie mit sich selbst ins Reine kam. Eine beeindruckende und ungekünstelte Frau, von der ich mir als eingefleischter Tatortfan im Anschluss natürlich noch ein Autogramm holte. Damit nahm die Frankfurter Buchmesse auch ein für mich gelungenes Ende.

 

Welches Fazit ziehe ich nun aus meinem allerersten Messebesuch und was nehme ich davon mit? Zum einen kann ich durchaus behaupten, dass der Besuch der Frankfurter Buchmesse – der immerhin größten Buchmesse überhaupt – definitiv eine einmalige Erfahrung für mich war, die mich auf verschiedenste Weise bereichert hat. Zum anderen bin ich allerdings auch froh, dass ich diesmal nicht mehr als zwei Messetage mitgemacht habe, da es mir für das erste Mal sonst wahrscheinlich zu viel gewesen wäre und ich auch, ehrlich gesagt, der Meinung bin, dass zumindest in meinem Fall zwei Tage völlig ausgereicht haben, um all das für mich Relevante zu sehen. Auf alle Fälle bin ich mir aber sicher, dass ich mich beim nächsten Mal darum bemühen werde, nur an den Fachbesuchertagen vor Ort zu sein, um den Menschenmassen (und auch dem Großteil der Cosplayer) aus dem Weg zu gehen. Außerdem bin ich jetzt auch der festen Überzeugung, dass ich durch diese Erfahrung bei der nächsten Messe bereits auch viel routinierter (da weitaus weniger überfordert) sein und deshalb auch mehr Zeit (und teilweise auch Mut) für mehr Termine mit Verlagen und anderen Bloggern haben werde. Und darauf freue ich mich wirklich.

Habt ihr dieses Jahr auch die Frankfurter Buchmesse besucht?
Wie hat es euch gefallen? Was waren eure persönlichen Highlights?

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