Rückblick: Lesemonat Dezember 2017

Ein Last-Minute-Highlight und eine wahre Bücherflut

Die Hälfte vom Januar ist schon wieder vorbei und (mal wieder) steht der Leserückblick des vergangenen Monats noch aus. Schande über mein Haupt. Wie angekündigt, packe ich in diesem Beitrag noch ein letztes Mal (wirklich!) alte Kamellen aus, denn den Lesemonat Dezember möchte ich schließlich nicht außen vor lassen – vor allem, nachdem dieser die letzten, leider ja lesetechnisch eher durchwachsenen Monate doch noch etwas ausbalanciert hat. Nach einer viel zu langen Durststrecke waren endlich wieder Bücher dabei, die mir sehr gut gefallen und/oder die mich sogar einmal wieder richtig begeistern konnten. So endete mein Lesejahr 2017 glücklicherweise doch noch auf einer positiven Note und die überraschende „Glückssträhne“ bei der Bücherwahl ging im neuen Jahr auch gleich so weiter. Ich hoffe, das hält an! Genug vielversprechendes Lesematerial, das mich im Dezember in einer regelrechten Bücherflut erreicht hat, habe ich nun auf alle Fälle schon einmal auf Lager, also kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Nun aber genug der Vorrede, kommen wir zu meinen gelesenen Büchern im vergangenen Monat:

Gelesen im Dezember 2017

Nicht im Bild: “The Remains of the Day” von Kazuo Ishiguro

The Remains of the Day von Kazuo Ishiguro (nicht im Bild, da das Buch zurück in die Bibliothek musste): Zugegeben, Anfang Dezember ging es lesetechnisch zunächst leider erst einmal so frustrierend weiter, wie der vorherige Lesemonat geendet hatte. Schon mit Nocturnes: Five Stories of Music and Nightfall hat es Ishiguro 2016 nicht geschafft, mich zu überzeugen, aber nachdem mir ein paar Bookstagrammer und nicht zuletzt Benedict Wells höchstpersönlich The Remains of the Day nachdrücklich empfohlen haben, wollte ich dem frischgebackenen Literaturnobelpreisträger noch eine zweite Chance geben. Nun ja, was soll ich sagen? Dieser Schuss ging erneut nach hinten los: Ich fand den Roman grundsätzlich zwar nicht vollkommen schlecht, aber ich habe ihn doch ziemlich teilnahmslos gelesen. Ähnlich ist es mir auch mit Ishiguros Kurzgeschichtenband ergangen. Irgendwie lässt mich sein Geschriebenes ziemlich kalt, weswegen ich den Hype um seine Werke leider auch nicht verstehen kann. Aus diesem Grund schätze ich, dass es das auch erstmal war mit Ishiguro und mir. Von Never Let Me Go werde ich mir höchstens noch irgendwann die Verfilmung anschauen, aber das kann nun erstmal warten.

Hinterhofleben von Maik Siegel: Nach The Remains of the Day ging es mit dem Debütroman des Jungautors Maik Siegel dann glücklicherweise aufwärts. Insgesamt hat mir der Roman trotz ein paar minimaler Schwachpunkte nämlich recht gut gefallen. Mehr muss ich an dieser Stelle schätzungsweise aber gar nicht mehr dazu sagen, denn in einer ausführlichen Besprechung habe ich Hinterhofleben erst letztens ganz genau unter die Lupe genommen.

Beneath the Earth von John Boyne: Bei einem Bummel durch den hiesigen English Bookshop bin ich über diese Kurzgeschichtensammlung gestolpert und musste mir einen Freudenschrei unterdrücken, denn diesen Titel hatte ich bis dato noch gar nicht gekannt, obwohl sich John Boyne ja im letzten Jahr immer mehr in mein Herz geschrieben hat. Eigentlich lautete der ursprüngliche Plan, mir das Buch noch ein bisschen aufzuheben, aber als eine längere Bahnfahrt anstand, erkannte ich, dass dieser Kurzgeschichtenband der perfekte Reisebegleiter sein würde – und das war Beneath the Earth tatsächlich! Ich habe die Kurzgeschichten auf der Fahrt wahrlich verschlungen. Auch in diesen Zeilen habe ich wieder den Boyne getroffen, in dessen Schreibstil ich mich im letzten Jahr so verliebt habe. Natürlich ist es quasi ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Qualität der Kurzgeschichten bei so einem Band stets ein bisschen schwankt, und auch mich konnten nicht alle Geschichten gleichermaßen überzeugen, aber insgesamt habe ich dieses Buch – genauso wie all meine bisherigen „Boynes“ – sehr gerne gelesen.

Ganz am Ende des Monats folgte dann mit Homegoing von Yaa Gyasi noch ein Last-Minute-Highlight: Als Weihnachtsgeschenk von einer lieben Freundin, die meinen Büchergeschmack gut kennt, erhalten, habe ich das Buch zwischen den Jahren verschlungen und hatte von Anfang an ein gutes Gefühl dabei, das auch bis zum Schluss anhielt. Homegoing spielt in Afrika und Amerika und dreht sich um acht Generationen einer Familie, anhand deren Schicksal das Gewicht der Kolonialgeschichte und die Nachwirkungen des Sklavenhandels eindrucksvoll geschildert werden. Da ich zwar gerne eine Rezension dazu schreiben würde bzw. geschrieben hätte, das für mich momentan und leider auch in nächster Zeit schier unmöglich ist, hoffe ich, dass ich euch wenigstens mit diesem Statement davon überzeugen kann, diesem beeindruckenden Debütroman einer jungen Autorin eine Chance zu geben: Homegoing ist so ein tolles und wichtiges Buch, das mehr Beachtung verdient hat und es mehr als wert ist, gelesen zu werden!

Bei Homegoing handelt es sich auch um eines der vielen tollen Bücher, die im Dezember ihren Weg zu mir gefunden haben – natürlich hauptsächlich als Weihnachtsgeschenke:

Neuzugänge im Dezember 2017

Und du bist nicht zurückgekommen von Marceline Loridan-Ivens: Dieses kleine Büchlein habe ich von der lieben Petra von Literaturreich im Rahmen ihres Blogjubiläumsgewinnspiels erhalten. Bei Und du bist nicht zurückgekommen handelt es sich um das Zeugnis einer Holocaust-Überlebenden – sicherlich keine leichte Kost, aber ich bin schon sehr gespannt!

A Gentleman in Moscow von Amor Towles: Besagte Freundin, die mir Homegoing geschenkt hat, hat mir auch dieses Buch überlassen, da es ursprünglich als Geschenk für jemand anderen gedacht, aber mit einem beschädigten Buchdeckel bei ihr angekommen war. Da sie es so nicht mehr weiterverschenken konnte, aber auch schon ein eigenes Exemplar besaß, fragte sie mich, ob ich dem Buch ein neues Zuhause geben würde – natürlich musste sie mich da nicht zweimal fragen, es zählt ja sowieso der Inhalt und das Cover ließ sich mit einem Klebestreifen auch wieder richten. Nachdem schon jene Freundin von dem Buch schwärmte und meinte, es hätte ein gutes Gefühl bei ihr hinterlassen, und nun sogar Barack Obama höchstpersönlich den Roman als eines seiner liebsten Bücher des letzten Jahres kürte, ist meine Vorfreude auf A Gentleman in Moscow sehr groß.

Der Freund und der Fremde von Uwe Timm: Auch dieses Buch landete nur durch Zufall bei mir, denn es wurde versehentlich zu mir geliefert. Zum Glück handelt es sich hier auch um ein Werk, das ich eventuell auch selbst als Lektüre gewählt hätte, da es Zeitgeschichte behandelt: In seiner Erzählung erinnert sich Uwe Timm an seine Freundschaft zu Benno Ohnesorg, dessen gewaltsamer Tod zu den einschneidenden Ereignissen in der Geschichte der BRD zählt.

Freue dich! und O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit (Diogenes-Anthologien): Beim Instagram-Adventskalender von der lieben Petzi vom Blog Die Liebe zu den Büchern hatte ich an genau dem richtigen Tag Glück und habe zwei Bücher meines Lieblingsverlags gewonnen. Leider bin ich während der Feiertage nicht über ein flüchtiges Hineinblättern hinausgekommen, aber so ist immerhin die diesjährige Weihnachtslektüre schon gesichert. Besonders freue ich mich hierbei auf die Kurzgeschichten von Martin Suter und John Irving in Freue dich!.

Und nun die buchigen Weihnachtsgeschenke:

The Return of the Soldier von Rebecca West: Dieses Weltkriegsbuch steht schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste und auch wenn ich mich darüber freue, es endlich hier im Regal stehen zu haben, bin ich von der Ausgabe leider ein bisschen enttäuscht, denn es handelt sich hier um einen seltsamen Amazondruck (ein ähnliches Problem hatte ich bereits 2016 mit einer Ausgabe von H. Rider Haggards She wie HIER beschrieben), der eher wie ein Heft als ein richtiges Buch wirkt.

To Hell and Back von Ian Kershaw: Neben The Return of the Soldier der zweite Neuzugang, der sich mit dem Thema “Weltkrieg” beschäftigt. In seinem Buch zeichnet der britische Historiker ein Panorama der Jahre 1914 bis 1949. Einige begeisterte Kritiken dazu habe ich bereits gelesen und so bin ich davon überzeugt, dass sich die Lektüre dieses doch recht dicken Schinkens lohnen wird.

Home Fire von Kamila Shamsie: Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, weil es auf der Longlist des Man Booker Prizes stand. Da es sich hierbei um eine Adaptation von Sophokles’ Antigone in Zeiten des Terrors handelt, war meine Neugier gleich geweckt. Das Buch liegt nun ganz weit oben auf meinem Lesestapel und ich hoffe, ich komme bald dazu, es zu lesen.

Max von Markus Orths: Immer wieder bin ich in der Buchhandlung um den Roman herumgeschlichen, da mich positive Rezensionen auf Blogs und Instagram davon überzeugt haben, dass das Buch für mich als Kunstliebhaberin die perfekte Wahl sein könnte. Letztendlich habe ich es mir zu Weihnachten gewünscht und mich sehr darüber gefreut, dass es auch tatsächlich unterm Weihnachtsbaum lag. Auch Max gehört zu den oberen Büchern auf meinem Lesestapel und wird hoffentlich bald von mir in Angriff genommen.

The Beautiful and Damned und This Side of Paradise von F. Scott Fitzgerald: Vor allem auf Instagram kommt man ja an den wunderschönen Penguin Hardback Collection-Ausgaben der Werke von F. Scott Fitzgerald kaum vorbei – da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ich schwach geworden bin. Und so habe ich diese Buch-Schönheiten ebenfalls auf meine Liste gesetzt – allerdings nur Ausgaben der Fitzgerald-Romane, die ich noch nicht besitze. Nun sind es also vorerst The Beautiful and the Damned und This Side of Paradise geworden und die beiden Prachtstücke ziehen in meinem Regal neben der ungefähr fünfzig Jahre alten Ausgabe von The Great Gatsby und dem mit Bananenmatsch „geschmückten“ Ausgabe von Tender is the Night alle Blicke auf sich. Ich hoffe, sie bekommen irgendwann einmal noch Verstärkung von den restlichen Fitzgerald-Schmuckausgaben.

Exit West von Moshin Hamid: Noch ein Man Booker Prize-Kandidat, der aufgrund seiner Thematik (es geht in dem Roman um Flucht und Migration) sofort mein Interesse geweckt hat und damit umgehend auf meiner Buchwunschliste gelandet ist – und wieder ein Buch, das ich am liebsten sofort lesen würde, wenn ich die Zeit dazu hätte.

The Complete Works of Oscar Wilde: Dem/der ein/en oder anderen ist es hier oder auch auf Instagram wahrscheinlich nicht entgangen, dass ich eine große Verehrerin von Oscar Wilde bin. Und so war es natürlich längst einmal an der Zeit, dass mein Bücherregal mit einer Ausgabe seiner gesammelten Werke ergänzt wird.

Holding von Graham Norton: Eigentlich liegt dieses Buch genau genommen außerhalb meiner Komfortzone, wenn es um Genres geht, aber da ich Graham Norton sehr gerne mag und seinen Humor liebe, war meine Neugier auf sein literarisches Debüt natürlich groß. Auch wenn es ja immer so eine Sache ist mit Büchern von „Celebrities“ und die Kritiken zu Nortons Roman wohl auch eher gemischt ausgefallen sind, bin ich dennoch auf die Lektüre gespannt und möchte mir meine eigene Meinung darüber bilden.

High Fidelity von Nick Hornby: Irgendwie kann ich es selbst kaum glauben, dass ich als große Musikliebhaberin diesen modernen Klassiker noch nicht gelesen habe. Also war es nun höchste Eisenbahn, diese Bildungslücke zu schließen, und so setzte ich das Buch weit oben auf meine Wunschliste. In das hübsche Cover bin ich schon ein bisschen verliebt und ich hoffe, dass mir auch der Inhalt gefallen wird.

Angesichts dieser großen Bücherflut werde ich mich in der nächsten Zeit auf alle Fälle wieder beim Bücherkauf zurückhalten und mich stattdessen all den tollen Büchern widmen, die neu eingezogen sind und auf die ich mich auch schon sehr freue. Da hier jedoch in den kommenden Wochen ein paar kleinere und größere Veränderungen und besonders einige wichtige Univerpflichtungen anstehen, gehe ich momentan nicht davon aus, dass ich mein in den letzten Monaten konstant gehaltenes Lesepensum von vier Büchern pro Monat aufrechterhalten kann, aber ich lasse mich da natürlich gerne von mir selbst positiv überraschen. Gestern erst habe ich meinen zweiten Roman im Januar beendet und jetzt stellt sich die Frage, welches Buch darauf folgen soll – ich habe ja immerhin die Qual der Wahl. Für welches Werk ich mich letztendlich entschieden habe, werdet ihr dann aber sicher im nächsten Monat erfahren.

Nun zu euch: Welche Bücher habt ihr denn in den letzten Wochen gelesen und welche Schätze sind neu hinzugekommen? Wie immer würde ich mich über Kommentare und Empfehlungen freuen!