Rückblick: Lesemonate Juli und August 2018

Überraschend viele Bücher, leider wenig Mitreißendes

Der neue Monat hat erst frisch begonnen, das bedeutet: Diesmal bin ich tatsächlich einmal pünktlich dran mit meinem Leserückblick. Ja, ich weiß, er erscheint nur alle zwei Monate und deshalb verwende ich im Falle des Rückblicks auf den Lesemonat Juli „pünktlich“ als einen etwas „dehnbaren“ Begriff, aber den Leserückblick nur noch alle zwei Monate zu posten, hat sich mittlerweile als durchaus sinnvoll erwiesen, da ich in manchen Monaten leider nur sehr wenig lese und sich ein monatlicher Rückblick deshalb lohnen würde – so, wie jetzt zum Beispiel im Juli: In den vier Wochen habe ich lediglich ein Buch geschafft. Eine ziemlich traurige Bilanz, aber immerhin hat der darauffolgende Monat August das wieder wettgemacht: Hier hatte ich einen regelrechten Lauf und habe immerhin fünf Bücher plus das Leseprobenheft zum Deutschen Buchpreis gelesen. Zugegeben, zwei der fünf Bücher hatte ich bereits davor schon mal angefangen und deshalb einen kleinen Vorsprung, aber trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass es am Ende so ein für meine Verhältnisse großer Stapel an gelesenen Büchern sein würde – erst recht nicht, nachdem darunter mit der Ausnahme von einem Buch nichts dabei war, was mich richtig fesseln konnte. Das, wiederum, ist bzw. war doch recht frustrierend, dennoch hielt mich dieser Umstand nicht davon ab, weiterzulesen. Und jetzt bin ich, wie es scheint (und hier klopfe ich jetzt dreimal auf Holz), wieder auf einem besseren Weg, was die Bücherauswahl angeht. Aber nun erstmal zu den in letzter Zeit gelesenen Büchern:

Gelesen im Juli und August 2018

George Saunders vielbeachteter neuer Roman Lincoln in the Bardo war das einzige Buch, das ich im Juli gelesen habe. Abgesehen davon, dass ich im Juli ohnehin viel unterwegs war und wenig Zeit zum Lesen hatte, habe ich mich so oder so mit dem Ausnahmeroman ziemlich schwergetan. Ich war mir von Anfang an nicht ganz sicher gewesen, ob so ein modernes Werk etwas für mich ist, hatte aber so viel Gutes darüber gehört und war zum einen deshalb auch sehr neugierig und zum anderen sah ich den Roman aber auch irgendwie als eine logische Fortsetzung von Mariana Lekys Was man von hier aus sehen kann und vor allem Robert Seethalers Das Feld, die ich beide davor gelesen hatte und die sich ebenfalls mit dem Thema „Tod“ auseinandersetzen. Ich fand Saunders‘ speziellen Ansatz, statt eines Fließtexts einzelne Versatzstücke verschiedener Perspektiven zu liefern und damit nicht nur verschiedene Stimmen sprechen zu lassen, sondern vor allem auch Fiktives mit Wahrem zu vermischen, durchaus interessant, dennoch war mir das Ganze dann doch ein bisschen zu…experimentell. Viel mitgenommen habe ich von dieser Lektüre deshalb leider nicht.

Holding von Graham Norton hatte ich bereits Ende Juni begonnen, zwischenzeitlich aber wieder beiseitegelegt, weil es mich nicht so richtig fesselte. Normalerweise verirren sich ja auch keine Krimis – und erst recht keine Dorfkrimis – auf meinen Lesestapel. Aber ich mag Graham Norton als Person und vor allem seinen Humor recht gerne, deswegen war ich neugierig auf sein Romandebüt. Und schlecht fand ich die Geschichte um den irischen Dorfpolizisten nicht, aber eben auch nicht herausragend. Am besten gefallen haben mir seine Figurenbeschreibungen, die Geschichte an sich zog sich allerdings für meinen Geschmack etwas zu sehr hin, sodass ich mit der Zeit immer mehr das Interesse verlor.

Auf Holding folgte ein Roman, der auch ganz neu in meinem Bücherregal ist: Stay With Me von Ayobami Adebayo. Das vielversprechende Debüt einer jungen afrikanischen Autorin – mein Interesse war sofort geweckt. Doch möglicherweise bin ich von Anfang an mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangegangen. Ich hatte gehofft, dass Adebayo den historischen/politischen Hintergrund Nigerias in den 80ern/90ern viel stärker beleuchten würde, aber das war leider nicht der Fall. Stattdessen dreht sich der Roman um die Themen „Familie“ und „Mutter-/Frausein“ – um ehrlich zu sein, nicht wirklich ein Themenfeld, mit dem ich mich literarisch groß auseinandersetze. Aber abgesehen von der Thematik hat mich der Roman auch sprachlich und stilistisch nicht groß überzeugt. Sollte Adebayo jedoch ein weiteres Werk veröffentlichen, würde ich dennoch reinlesen, vielleicht klappt es ja dann mit uns beiden.

Nach zwei mittelmäßigen Leseerlebnissen dachte ich mir, ich könnte ja mal wieder ins Klassikerregal schauen und mir dort etwas aussuchen, also griff ich zu einem Buch, das ich auch schon seit Ewigkeiten lesen wollte: Der Tod in Venedig von Thomas Mann. Doch auch hier erwies sich meine Wahl als Niete, denn auch Mann vermochte es nicht, mich mit seiner Novelle zu fesseln. Zwar gefielen mir Manns Sprache und Stil sehr gut, aber die Geschichte riss mich leider nicht wirklich mit.

Nachdem ich am ersten Augustwochenende drei Bücher hintereinander gelesen hatte, die ich bestenfalls mittelmäßig fand, erhoffte ich mir von einer Neuerscheinung, auf die ich mich bereits sehr freute, endlich die Erlösung. John Boyne, ein Autor, mit dem ich bisher ausschließlich gute Erfahrungen gemacht hatte, brachte Anfang August seinen neuen Roman A Ladder to the Sky heraus. Die Literaturkritiken klangen positiv und ich war zuversichtlich, dass Boyne bei mir wieder einmal auf ganzer Linie punkten würde, doch leider war das nicht ganz der Fall. Wieso? Darauf werde ich demnächst wohl noch in einer ausführlichen Rezension eingehen.

Nach all den kleineren und größeren Enttäuschungen in den letzten Wochen versuchte ich nun mein Glück mit Trevor Noahs Memoiren Born a Crime: Stories from a South African Childhood – und tatsächlich hatte ich ab Seite 1 ein gutes Gefühl mit dem Buch, das auch bis zum Schluss anhielt. Noah ist ein talentierter Erzähler mit viel Charme und Witz, aber auch viel Empathie: Seine Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend während des Apartheid-Regimes und auch danach sind zutiefst bewegend und aufschlussreich. Klare Leseempfehlung!

In den letzten Jahren habe ich mich nie groß mit dem Thema auseinandergesetzt, aber dieses Jahr überwog die Neugier, also habe ich mich in den letzten zwei Wochen an die Leseproben zur Longlist des Deutschen Buchpreises 2018 gemacht – eine interessante Erfahrung, muss ich sagen. Von den 20 nominierten Werken konnten mich nämlich, zumindest von den Ausschnitten her zu urteilen, die allerwenigsten wirklich überzeugen. Genau genommen waren es nur zwei Texte, die mein Interesse so sehr geweckt haben, dass ich die Bücher nun gern lesen würde: Unter der Drachenwand von Arno Geiger und Hysteria von Eckhart Nickel. Um Ersteres schleiche ich allerdings ohnehin schon seit Monaten herum, von daher hat die Leseprobe meine Vermutung, dass mir der Roman gefallen könnte, nur noch bestätigt. Ein, zwei andere Textauszüge lasen sich noch ganz gut, der Großteil interessierte mich kaum bis gar nicht und ein paar Texte hinterließen schlicht ein Fragezeichen bei mir (z.B. Dunkle Zahlen von Matthias Senkel) oder brachten mich wegen ihrer Absurdität bestenfalls zum Schmunzeln (ich denke da an Josef Oberhollenzers Sültzrather).

Neuzugänge im Juli und August 2018

Neben den bereits erwähnten Büchern Lincoln in the Bardo, Stay With Me, Born a Crime und A Ladder to the Sky sind in den letzten acht Wochen noch einige andere Bücher neu bei mir eingezogen – wahrscheinlich so viel wie in den vorherigen Monaten zusammen (ups…). Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch sagen, dass darunter auch ein paar Geburtstagsgeschenke sind, in diesen Fällen wasche ich meine Hände also in Unschuld. 😉

Hold von Michael Donkor, zum Beispiel, war eines der Geburtstagsbücher. Auch hier handelt es sich – genau wie bei Stay With Me– um das vielversprechende Debüt eines jungen afrikanischen Autors. Der Klappentext klingt zwar ein bisschen nach YA (und das ist ja nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre), aber ich lasse mich gerne überraschen!

Mit Das Blaue Buch von Erich Kästner wurde mir ebenfalls ein großer Bücherwunsch zum Geburtstag erfüllt, denn um diesen Schatz bin ich schon eine ganze Weile herumgeschlichen. Ich mag Kästner sehr gerne (wer nicht?) und war von Der Gang vor die Hunde ja enorm begeistert, außerdem lese ich ja ohnehin sehr viel Kriegsliteratur, von daher war es nur eine Frage der Zeit, bis das Buch einen Platz in meinem Regal findet. Ich freue mich schon darauf, es auszupacken und darin zu schmökern.

Das letzte Büchergeschenk auf dem Stapel der Neuzugänge ist der Thriller Blood Harvest von Sharon Bolton. Ich habe ihn von einem Freund erhalten, der meinen Büchergeschmack (eigentlich) gut kennt. Er meinte, wenn ich Serien wie Hannibal und Broadchurch gerne schaue, dann wäre das Buch was für mich. Ich bin mir da nicht sicher, denn üblicherweise lese ich keine blutigen Thriller – und allein der Klappentext klingt schon ziemlich brutal… Mal schauen, ob ich es wage, reinzulesen.

The Tempest von William Shakespeare habe ich bei einem Büchermarkt mit Mängelexemplaren erstanden. „2€ für Shakespeare, den nehm ich mit!“, habe ich mir gedacht. Später habe ich dort auch noch Sieben Nächte von Simon Strauss für den unschlagbaren Preis von einem Euro ausgegraben. Ich habe mich an die Empfehlung einer Buchhändlerin meines Vertrauens erinnert und das Schnäppchen erstanden. Jetzt bin ich gespannt, was in dem kleinen Büchlein so steckt.

Beim Bummel durch die Lieblingsbuchhandlung durfte letztens dann auch noch Der Schatten von Melanie Raabe mit. Ich weiß, gerade erst habe ich geschrieben, dass ich normalerweise keine Thriller lese, aber bei Melanie mache ich immer gerne eine Ausnahme, da in ihren Werken auch eher der psychologische Aspekt im Vordergrund steht. Außerdem ist sie für mich auch eine sehr inspirierende Persönlichkeit und ich freue mich schon sehr auf die Lesung mit ihr im November.

Mit Benedict Wells‘ neuem Kurzgeschichtenband Die Wahrheit über das Lügen ist letzte Woche außerdem noch die von mir am sehnlichsten erwartete Neuerscheinung dieses Jahres endlich bei mir eingezogen. Eine Geschichte habe ich bereits gelesen, aber ich versuche mit eiserner Disziplin, nicht alles auf einmal zu verschlingen, um etwas länger etwas davon zu haben, denn wer weiß, wie lange es dauert, bis ich hier wieder einen ungelesenen Wells vor mir liegen habe…

 

Trotz der vielen Leseenttäuschungen in den letzten zwei Monaten bin ich ganz zuversichtlich, dass es nun ein bisschen geschmeidiger weitergehen wird, nachdem ich dank Trevor Noah wieder die Kurve gekriegt zu haben scheine. Außerdem lese ich gerade den neuen Wells, was soll da also noch schiefgehen? Auf jeden Fall bin ich motiviert und habe große Lesepläne für die nächsten Wochen, die ich hoffentlich auch umsetzen kann. Es naht ja auch die Buchmesse, das ist  eh immer ein zusätzlicher Motivationsschub. Mal sehen, was ich von dort mitbringe, denn das gibt’s dann im nächsten Leserückblick zu sehen.