Rückblick: Lesemonat Mai 2017

Die erste kleine Leseflaute des Jahres

Nachdem die letzten beiden Monate lesetechnisch so gut liefen, war es irgendwie auch nur eine Frage der Zeit, bis diese „Erfolgswelle“ irgendwann unterbrochen würde. Diesen Monat war es dann tatsächlich soweit – ich habe es im Mai tatsächlich nur geschafft, lächerliche drei Bücher zu lesen. Damit bin ich, wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich zufrieden, vor allem nicht, wenn ich mir anschaue, was und wie viel ich davor gelesen habe. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht so ganz genau, woran es lag, aber ich vermute, das Schreiben/Vorbereiten meiner Masterarbeit verlangte mir wohl doch die meiste Energie ab, sodass ich abends und zwischendurch manchmal doch lieber bei Netflix vorbeischaute, anstatt zu einem Buch zu greifen. Hinzukommt, dass ich diesen Monat überhaupt keine fiktiven Bücher, sondern zwei Sachbücher und ein autobiografisches Werk gelesen habe, die ebenfalls fordernder waren. So viel zu meiner Verteidigung. Immerhin war der Mai trotzdem recht literarisch geprägt: Anfang des Monats war ich bei einer Lesung von Harald Martenstein, die wie immer sehr amüsant war, und letzte Woche ging es dann nach Tübingen zum Bücherfest, das mit einem hochkarätigen Programm aufwartete und über dessen Veranstaltungen in den nächsten Wochen noch zwei ausführliche Berichte folgen werden. Nun erstmal zu der überschaubaren Anzahl an Büchern, die ich im Mai gelesen habe:

Gelesen im Mai 2017

Nicht im Bild: “The Pirates of Somalia: Inside Their Hidden World” von Jay Bahadur

The Pirates of Somalia: Inside Their Hidden World von Jay Bahadur (leider nicht im Bild, da es sich hierbei um eine Fernleihe handelte): Dieses Buch habe ich zwar hauptsächlich für meine Masterarbeit gelesen, aber ich lese ja auch so ganz gerne mal die ein oder andere Reportage. Bahadurs Herangehensweise, seine Recherchearbeit und seine Beschreibungen von Land und Leuten waren sehr interessant. Eindeutige Pluspunkte sind auch die flüssige und lockere Erzählweise sowie die dargebotenen (Insider-)Informationen. Auf alle Fälle eine spannende und aufschlussreiche Lektüre, deren erst neulich erschienene Verfilmung ich nun unbedingt sehen möchte.

City of Thorns: Nine Lives in the World’s Largest Refugee Camp von Ben Rawlence: Mit dieser Reportage über das weltgrößte Flüchtlingscamp in Dadaab (Kenia) an der Grenze Somalias habe ich – wie ich ja auch bereits im letzten Monatsrückblick erwähnt hatte – schon länger geliebäugelt, deswegen konnte ich es nun auch kaum erwarten, das Buch zu lesen. Die Lektüre hat sich dann zwar ungewöhnlich lange gezogen, aber ich habe davon trotzdem (oder vielleicht auch deswegen?) ziemlich viel mitgenommen. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber noch gar nicht verraten, da nächsten Monat noch eine Rezension dazu folgen wird.

The Raqqa Diaries: Escape from ‘Islamic State’ von Samer (Pseudonym): Bei diesem Büchlein handelt es sich um die Tagebuchaufzeichnungen eines jungen Mannes und Anti-IS-Aktivisten, dem es gelungen ist, aus Raqqa zu fliehen. Er berichtet vom (Über-)Leben unter der Terrorherrschaft der Islamisten, der ständigen Angst, von den Häschern der Extremisten verfolgt und für das kleinste scheinbare „Verbrechen“ exekutiert zu werden, und auch von der Hoffnung auf bessere Zeiten für seine geliebte Stadt und deren Bevölkerung. Vor allem die Unsinnigkeit und Heuchelei, die Samer in seinen sehr persönlichen Berichten aufdeckt, ließ mich mehr als einmal ungläubig den Kopf schütteln. Ein erschütterndes und aufwühlendes Buch von einem mutigen jungen Mann, der sein Leben dafür riskiert hat, der Welt einen authentischen Einblick in die Lebensbedingungen unter dem IS-Regime zu geben.

Neuzugänge im Mai 2017

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mehr Bücher gekauft als gelesen habe, aber in diesem Monat ist es dank diverser Lesungen und vor allem im Rahmen des Tübinger Bücherfests ein kleines bisschen ausgeartet:

Die neuen Leiden des alten M.: Unartige Beobachtungen zum deutschen Alltag von Harald Martenstein:  Diese Sammlung von Kolumnen Martensteins habe ich mir im Vorfeld seiner Lesung gekauft, um sie an dem Abend signieren zu lassen. Ich besitze bereits Ansichten eines Hausschweins und was soll ich sagen? Ich liebe Harald Martensteins Schreibstil und seinen pechschwarzen Humor einfach. Bei diesem Büchlein sprach mich aber natürlich auch ein bisschen die Anspielung auf Goethes Die Leiden des jungen Werther bzw. Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W. an. :o)

Die Reinheit des Mörders von Amélie Nothomb: Hierbei handelt es sich um meinen ersten Fund auf dem Antiquariatsmarkt des Tübinger Bücherfestes. Ich habe mittlerweile viel Gutes über die Bücher der Schriftstellerin gehört und war neugierig. Mir sind auf dem Markt auch noch andere Romane von ihr in die Hände gefallen, aber hier hat mich vor allem der Klappentext angesprochen – spätestens mit „Eine glänzende Satire auf den Medienbetrieb mit wunderbaren Gedanken über die Wirkung von Literatur“ hatten sie mich.

Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith: Natürlich kenne ich die Verfilmung des Romans mit Matt Damon in der Hauptrolle schon längst, aber den Roman wollte ich seitdem schon immer mal lesen, da ich die Geschichte sehr faszinierend finde. Eigentlich wollte ich es zwar im englischen Original lesen, aber für schlappe 2 Euro musste die deutsche Ausgabe trotzdem mit – abgesehen davon machen sich die hübschen Diogenes-Bücher ja immer gut im Bücherregal, oder?

Letzt Nacht in Twisted River von John Irving: Als ich diese hübsche Hardcoverausgabe in der Bücherkiste eines der Stände des Antiquariatsmarkts in Tübingen entdeckte, griff ich sofort zu: Für zwei Euro war dieses Buch, das noch absolut neuwertig aussieht, ein absolutes Schnäppchen. Außerdem wollte ich schon lange endlich einmal ein Buch von John Irving lesen – die Schuld dafür schiebe ich übrigens (mal wieder) Benedict Wells in die Schuhe. Ursprünglich sollte es The Hotel New Hampshire werden, aber meine unverhoffte Entdeckung von Letzte Nacht in Twisted River lege ich jetzt mal als einen Wink des Schicksals aus.

Wie eine nackte Nadel von Nuruddin Farah: Als ich beim allerletzten Schmökern durch die Bücherkisten des Antiquariatsmarktes plötzlich auf den Namen „Nuruddin Farah“ stieß, konnte ich erst gar nicht meinen Augen trauen – ich hatte absolut nicht damit gerechnet, dort über eines seiner Bücher zu stolpern. Ich dachte im ersten Moment wirklich, dass ich aufgrund meiner Masterarbeit den Namen in letzter Zeit wahrscheinlich einfach zu oft gelesen hatte und dass das jetzt eine Einbildung war. Aber tatsächlich handelte es sich hier um (eine relativ seltene, da ältere) deutsche Ausgabe eines seiner ersten Romane, A Naked Needle. Ich konnte es mir wirklich gerade noch verkneifen, vor Freude kurz in die Luft zu springen. Auch wenn ich Farahs Bücher lieber im englischen Original lese, möchte ich hier trotzdem einmal reinschauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie seine Bücher übersetzt wurden.

Verfahren eingestellt von Claudio Magris: Diese Hardcoverausgabe habe ich mir im Rahmen der Lesung von Claudio Magris auf dem Tübinger Bücherfest gekauft. Ich hatte es davor schon einmal in der Buchhandlung in der Hand gehabt und lange überlegt, es mir zu kaufen, da ich die Thematik sehr interessant finde. Letzten Endes musste er mich dann aber doch erstmal noch auf seiner Lesung von dem Buch überzeugen – mit Erfolg, wie ihr seht. Etwas mehr über das Buch und Magris’ Lesung erfahrt ihr in einem ausführlichen Bericht über das Bücherfest, der bald folgt.

Nach der Flucht von Ilija Trojanow: Auch dieses Büchlein durfte nach einer Lesung mit – Trojanow hatte mich mit seinen klugen Gedanken und poetisch anmutenden Texten restlos begeistert. Ich habe bereits damit begonnen, das Buch zu lesen, und bis jetzt gefällt es mir sehr gut. Deswegen habe ich mir auch gleich vorgenommen, noch ein paar andere seiner Bücher (u.a. die Reportagen über Afrika und Indien) zu lesen.

Trotz der vielen tollen Neuzugänge, die ich natürlich am liebsten alle gleichzeitig lesen würde, halte ich mich dieses Mal mit Leseplänen lieber etwas zurück, da ich schon weiß, dass ich im Juni  viel unterwegs sein und ansonsten sämtliche Zeit in das Schreiben meiner Masterarbeit investieren werde, weshalb höchstwahrscheinlich leider nicht allzu viel Lesezeit übrigbleiben wird. Aber ich lasse mich sonst einfach mal überraschen und dann sehen wir uns an dieser Stelle beim „Monatsrückblick Juni 2017“ mit einer ausführlichen Berichterstattung zur aktuellen Lesesituation wieder. 😉

Wie verlief denn euer Lesemonat Mai? Welche Bücher habt ihr gelesen und welche Schätze sind neu hinzugekommen? Wie immer würde ich mich über Kommentare und Empfehlungen freuen!

 

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