WUB17: Woche unabhängiger Buchhandlungen und 25 Jahre RavensBuch

Ein Fest der Unabhängig- und Beständigkeit

Während dieser Tage findet die Woche unabhängiger Buchhandlungen (kurz: WUB) statt. Seit dem 4. November und noch bis einschließlich 11. November feiern über 600 lokale, inhabergeführte Buchhandlungen in ganz Deutschland zusammen mit ihren Kunden mit vielfältigen Aktionen und zahlreichen Veranstaltungen ihre Unabhängigkeit (nähere Infos HIER). Die WUB geht dieses Jahr bereits in die vierte Runde, doch obwohl ich von dieser besondere Aktion bereits im letzten Jahr am Rande mitbekommen habe – vor allem durch die Wahl von Benedict Wells’ Roman Vom Ende der Einsamkeit zum Lieblingsbuch der Unabhängigen –, verfolge ich das Ganze in diesem Jahr zum ersten Mal aktiv mit. Ein Grund, meinen persönlichen Bezug zu lokalen, unabhängigen Buchhandlungen und ihre Bedeutung für mich einmal ein bisschen zu erläutern.

Der Dorfbuchladen

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem es früher kaum bis keine Filialgeschäfte von großen Ketten gab und dessen Panorama damals somit vom Einzelhandel geprägt wurde. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt: Viele dieser Geschäfte mussten in der Zwischenzeit schließen und stehen nun leer, weil sich kein Nachmieter findet. Nicht nur durch das Geschäft meiner Eltern habe ich mitbekommen, wie Ketten und vor allem der Onlinehandel die lokalen, inhabergeführten Läden zunehmend schwächen. Umso erstaunlicher und schöner ist es, dass sich – neben wenigen anderen Ausnahmen – ein ganz besonderes Geschäft über all die Jahre dennoch gehalten hat: Die örtliche Buchhandlung. Die Bücherstube war spätestens seit Schulzeiten, sprich seitdem ich lesen konnte, für mich schlicht und ergreifend ein magischer Ort – trotz oder vielleicht auch gerade wegen der insgesamt recht kleinen (aber eben schnuckeligen) Ladenfläche, in der sich Bücher an Bücher verheißungsvoll nebeneinanderreihten. Jedes Mal hatte die sympathische und kluge Inhaberin den passenden Lesestoff für mich parat, die angeregten Gespräche über Bücher und deren Autoren habe ich immer sehr genossen und gerade an die stets liebevoll gestalteten Release Partys an den Erscheinungstagen der neuen Harry Potter-Bände werde ich mich auf ewig mit einem Lächeln zurückerinnern. Mittlerweile hat die Buchhandlung die Besitzerin gewechselt und auch wenn ich zu der neuen Inhaberin aufgrund meines Wegzugs an meinen momentanen Studienort kein derart enges Verhältnis mehr habe, besuche ich „meine“ Buchhandlung nach wie vor sehr gerne.

Ein Buchhandlungsjuwel in der Region

Allerdings hat sich gerade im letzten Jahr eine andere, ebenfalls unabhängige Buchhandlung in meiner Heimat langsam aber sicher in mein Leserherz geschlichen: Die Buchhandlung RavensBuch. Auch wenn nämlich schon seit jeher bei jedem Stadtbummel durch Ravensburg ein Besuch in dieser schönen, einladenden und gut sortierten Buchhandlung auf dem Programm stand, habe ich ihre Einzigartigkeit tatsächlich erst im letzten Jahr so richtig wahrgenommen und zu schätzen gelernt – und das war ein wirklicher Glücksfall! Alles fing im September 2016 mit der von RavensBuch veranstalteten unvergesslichen Lesung von Benedict Wells im Konzerthaus in Ravensburg an, die ja im Grunde genommen den Stein hier erst ins Rollen brachte und letzten Endes in diesem Blog mündete. Aber diese Geschichte habe ich hier ja schon oft erzählt – und wer sie noch nicht kennen sollte: HIER entlang. Jedenfalls besteht seitdem eine gewisse Verbundenheit zu der Buchhandlung, die ich sehr schätze. Sei’s für eine kurze Stöberrunde auf einem Zwischenstopp in Ravensburg oder – und das am allerliebsten! – im Rahmen einer der vielen großartigen Lesungen, die die Buchhandlung veranstaltet: Ich freue mich immer, wenn sich mir die Gelegenheit bietet, bei RavensBuch vorbeizuschauen. Und so kam es auch, dass ich am letzten Wochenende dabei war, als RavensBuch sein 25-jähriges Jubiläum feierte und damit auch gleichzeitig die Woche der unabhängigen Buchhandlungen einläutete.

25 Jahre Ravensbuch

Im imposanten Schwörsaal des Ravensburger Waaghauses, nur wenige Schritte von der Buchhandlung entfernt, fand am vergangenen Samstagabend der erste Teil der Feier statt. Zunächst erzählte Inhaber Michael Riethmüller den Gästen davon, wie er die Buchhandlung vor 25 Jahren trotz angeblich „überkommener Strukturen in der Stadt“ und entgegen aller Vorurteile, in Ravensburg „würde sowieso niemand lesen“, eröffnete. Doch dieser Mut bewährte sich, RavensBuch konnte sich dort und später auch mit einer Filiale in Friedrichshafen erfolgreich etablieren und das kulturelle Leben in der Region entscheidend und dauerhaft prägen – was nicht zuletzt an den vielen Lesungen und Veranstaltungen lag und liegt, die, wie Michael Riethmüller betonte, von Anfang an besonders wichtig waren. So war der allererste Lesungsgast überhaupt Rafik Schami, der seitdem mit jedem seiner Bücher wieder nach Ravensburg oder Friedrichshafen zurückkehrte, und beispielsweise auch Benedict Wells las bei RavensBuch bisher aus jedem seiner Bücher vor. Diesen Rückblick ergänzte Margarete Riethmüller schließlich mit einer regelrechten Laudatio auf die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich mit Projekten wie zum Beispiel der Testleser-Nacht, dem Blog Bücherkrächzen oder ganz aktuell der Bücherauslieferung per Fahrradkurier beispiellos engagieren und immer wieder frischen Wind ins Geschäft bringen. Auch die regionale Künstlerin und Autorin Karin Nowak fand große Worte der Anerkennung für die Arbeit jener Buchhändler/-innen, betonte nachdrücklich, dass RavensBuch in Ravensburg als sehr leistungsfähig und positiv wahrgenommen werde, und zeigte sich begeistert von der tiefen Liebe der Mitarbeiter/-innen zu Büchern.

Die Leidenschaft für das geschriebene (und in diesem Fall auch gesprochene) Wort war dann im Grunde genommen auch das zentrale Thema des anschließenden Auftritts von Nora Gomringer, dem Ehrengast des Abends. Die in Bamberg lebende und schaffende Lyrikerin trug unter anderem Stücke aus ihren Gedichtbänden monster poems, morbus und moden vor. Mit humorvollen Anekdoten, aber vor allem mit ihren impulsiv und effektvoll dargebotenen Gedichten, die teilweise mit passenden Grafiken untermalt wurden, vermochte es Gomringer mühelos, die Gäste in den Bann von Wörtern und Geschichten zu ziehen.

 

 

Abschließend ließen auch die beiden künftigen Geschäftsführer Martin Riethmüller und Christoph Paris in zwei emotionalen Reden die letzten 25 Jahre Revue passieren und wagten gleichzeitig einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft, bevor die Festlichkeiten im Anschluss in die nahegelegene Buchhandlung verlegt wurden. Dort wurde in gemütlicher Atmosphäre auf das Jubiläum und auch gewissermaßen auf die Unabhängigkeit angestoßen und noch bis in die Nacht hinein ausgiebig über den eigentlichen Grundstein des ganzen Festes geplaudert: Die Liebe zu Büchern.

Dieser großartige Abend hat mir wieder einmal gezeigt, was lokale Buchhandlungen ausmacht, was diese überhaupt erst ermöglichen und wieso sie so unersetzbar sind: Sie sind maßgebliche Kulturstifter, Knotenpunkt und Heimat für Literaturbegeisterte und vor allem Orte der Inspiration, des lebhaften Austauschs und des herzlichen Miteinanders. Vielen Dank, liebes RavensBuch-Team, dass ich das bei euch dieses Mal wie auch all die anderen Male in geballter Form erfahren durfte. Es war schön, viele von euch endlich einmal persönlich kennenzulernen. Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!

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