Rückblick: Lesemonat Februar 2017

Ein Auf und Ab

Schon ist März und mein Blog ist bald schon ein halbes Jahr alt, kaum zu glauben. Und trotz der vorbeigehenden Zeit und des etwas kürzeren Monats habe ich es im Februar geschafft, meine Vorsätze vom Januar einzuhalten und mit der gelesenen Anzahl an Büchern nicht signifikant hinterherzuhinken. Immerhin vier Bücher habe ich geschafft, zwei deutsch- und zwei englischsprachige Romane. Allerdings lief die Sache nicht ganz so rund wie im letzten Monat. Meine Leseerlebnisse fühlten sich wieder eher wie eine kleine Achterbahnfahrt an, mal war ich begeistert, mal gelangweilt oder sogar genervt – und das nicht abwechselnd bei den verschiedenen Büchern, sondern sogar teilweise während der Lektüre eines einzelnen Romanes.

Gelesen im Februar 2017

We Have Always Lived in the Castle von Shirley Jackson: Was hatte ich mich auf die Bücher von Shirley Jackson gefreut, von allen Seiten wurden sie angepriesen und mir mehr als einmal empfohlen. Der meistgelobte und –empfohlene Kandidat: We Have Always Lived in the Castle. Dementsprechend groß waren meine Vorfreude, aber auch meine Erwartungen. Nun, was soll ich sagen: Meine Freude wich ganz schnell einer ziemlichen Enttäuschung. Die knapp 150 Seiten haben sich gefühlt unendlich gezogen, weil ich ungemeine Probleme hatte, mich auf die Geschichte und die Figuren einzulassen. Nach Anlaufschwierigkeiten ging es etwas besser, aber so richtig in Fahrt kam die Lektüre nie, ein Zugriff blieb mir bis zuletzt verwehrt. Ich hatte mir vor allem von der angeblich schaurigen Geschichte mehr erwartet und empfand sie nicht unheimlich, sondern einfach nur merkwürdig – mehr auch nicht. Auch Jacksons Schreibstil und Sprache konnten mich nicht wirklich überzeugen. Die Idee zur Geschichte fand ich interessant, aber die Umsetzung taugte mir kaum was. Da ich hier bereits andere Bücher von Shirley Jackson habe, werde ich ihr noch einmal eine Chance geben, aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob wir miteinander warm werden…

The Old Man and the Sea von Ernest Hemingway: Lange schon befindet sich dieses Buch auf meiner Leseliste und endlich habe ich es in Angriff genommen. Auch hier gab es Startschwierigkeiten, die sich aber glücklicherweise nach einem Drittel legten. Ich hatte das Gefühl, dass man sich auf die Geschichte ganz und gar einlassen muss, um sie vollkommen genießen und auch von ihr lernen zu können – das hat auch bei mir ein bisschen gedauert. Sobald dieser Punkt überschritten war, hatte ich dieses Büchlein auch in Windeseile fertiggelesen. In der Tat passiert in Hemingways kleiner Erzählung ja wirklich nicht allzu viel, aber trotzdem gibt einem die Geschichte um den alten Santiago und seinen letzten Wunsch, den Fang seines Lebens zu machen, letztendlich enorm viel. Um ehrlich zu sein, war ich am Schluss selbst überrascht, dass mich The Old Man and the Sea derart begeistern konnte, denn damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet. Somit kann ich nun ein weiteres Buch auf meiner „100 Bücher“-Leseliste abhaken. 🙂

Ich gegen Osborne von Joey Goebel: Nachdem mich Vincent größtenteils sehr überzeugen konnte (die Rezension dazu findet ihr übrigens hier), war ich gespannt auf Goebels andere Werke. Als zweiten Roman aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers habe ich mir Ich gegen Osborne ausgesucht. Leider konnte mich der Roman nicht wirklich mitreißen, stattdessen ist die Lektüre (gefühlt) wochenlang vor sich hingedümpelt. Ich hatte einfach nie den Drang verspürt, unbedingt weiterlesen zu müssen. Zwar haben mir einige Stellen ganz gut gefallen und im Grunde sagt mir Goebels kritischer Standpunkt gegenüber der (amerikanischen Konsum-)Gesellschaft und der Jugend durchaus zu, aber bei ihm stören mich vor allem die (für mich) unzureichenden Charakterbeschreibungen, sprich die unvollständigen und teils auch widersprüchlichen Figuren. Ich habe es nicht geschafft, eine Beziehung zu dem Protagonisten James Weinbach aufzubauen und konnte seine Handlungen und Gedanken nicht immer nachvollziehen. Es wirkte auf mich wie ein ständiges Hin und Her, die Handlung schien mir nicht komplett stringent zu verlaufen. Deshalb denke ich, dass ich Goebels weitere Romane Heartland und Freaks erst einmal nicht lesen werde.

Die weiteren Aussichten von Robert Seethaler: Nach der anstrengenden Lektüre von Ich gegen Osborne hatte ich schließlich das große Bedürfnis, wieder meiner (noch immer nicht gestillten) Seethaler-Sucht nachzugeben. Ich hatte die Wahl zwischen Jetzt wird’s ernst und Die weiteren Aussichten und habe mich dann aus dem Bauch heraus für Letzteres entschieden. Da ich mittlerweile ein gewisses Vertrauen in Seethalers Künste entwickelt habe, war ich mir auch sicher, dass dieser Roman wenigstens für einen gelungenen Monatsabschluss sorgen würde. Und natürlich wurde ich nicht enttäuscht, auch wenn es hier und da vielleicht einen kleinen Kritikpunkt gab. Aber mehr dazu dann in einer ausführlichen Rezension, die in der nächsten Woche folgen wird.

Eigentlich stelle ich euch an dieser Stelle die Neuzugänge des Monats vor, aber im Februar sind tatsächlich keine neuen Bücher in meine Regale eingezogen und ich habe auch nichts Erwähnenswertes aus der Bibliothek ausgeliehen. Nächstes Mal dann vielleicht wieder. 😉

Jedenfalls freue ich mich, dass es mir diesen Monat wieder gelungen ist, eine Balance zwischen englischen und deutschen Romanen zu schaffen. Die „Erfolgsquote“ an mitreißenden Geschichten hätte zugegebenermaßen höher sein können, aber vielleicht klappt das ja diesen Monat wieder besser. Momentan bin ich mir noch nicht so ganz sicher, auf welche Bücher ich Lust habe. Ich überlege, Pat Barkers Lifeclass-Trilogie anzufangen, könnte mir aber auch vorstellen, endlich Salt to the Sea zu lesen oder wieder einen Wells’schen Roman wiederzulesen (weil das ja auch erst wieder ein paar Monate her ist 😀 ). Es bleibt also spannend.

Was habt ihr im Februar so gelesen? Hat euch ein Buch so richtig begeistert oder auch völlig enttäuscht? Wie immer bin ich gespannt auf eure Kommentare und Empfehlungen!

Kommentare

  1. Julia | Literameer

    Liebe Elena,

    diese Gefühlswechsel von genervt, gelangweilt und begeistert in nur einem Buch kenne ich auch. Irgendwie anstrengend.

    „Der alte Mann und das Meer“ steht für dieses Jahr auch noch auf meiner Leseliste. Ich bin mal gespannt, wie es mir gefallen wird.

    Und von Seethaler mag ich auch gerne mal was lesen. Mal gucken, wann er dran kommt.

    Liebe Grüße
    Julia

    1. Liebe Julia,

      du sagst es: Der ständige Wechsel von „Begeisterung“ und „Langeweile“ ist wirklich sehr anstrengend! Das war bei mir diesmal vor allem bei „Ich gegen Osborne“ der Fall, weswegen es wirklich verhältnismäßig lange dauerte, bis ich das Buch gelesen hatte.

      Oh, dann bin ich schon einmal auf deine Leseeindrücke von Hemingways Klassiker gespannt und wünsche dir an dieser Stelle bereits tolle Lesestunden! 🙂

      Also beim Stichwort „Seethaler“ gerate ich ja mittlerweile eigentlich schon automatisch ins Schwärmen, von daher kann ich dir es wirklich nur ans Herz legen, einmal ein Buch von ihm zu lesen!

      Viele liebe Grüße,
      Elena

      1. Julia | Literameer

        Liebe Elena,

        dankeschön, ich bin auch schon auf Herrn Hemingway gespannt.

        Viele schwärmen ja wirklich von Seethaler und er bzw. seine Bücher tauchen ja auch immer wieder auf und laufen mir ständig über den Weg. Steht also auf jeden Fall auf der to-read-Liste 🙂

        Liebe Grüße
        Julia

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