Rückblick: Lesemonat August 2017

Ein langsamer Abstieg in das erste ernstere Lesetief des Jahres

Ein bisschen verspätet gibt es heute nun den Rückblick für den Lesemonat August. Und in diesem Monat steckte lesetechnisch tatsächlich ein bisschen der Wurm drin. Vielleicht war es nicht die beste Idee, mir derart komplexe bzw. gewichtige Bücher für die Lektüre auszusuchen, während ich tagsüber noch am letzten Feinschliff meiner Masterarbeit saß, die ich aber im Übrigen Ende August dann endgültig abgegeben habe. Allerdings war ich einfach so neugierig auf jene Bücher, dass ich sie unbedingt bald lesen wollte. Mit beiden hatte ich es jedoch alles andere als einfach und von beiden war ich enttäuscht – im einen Fall hielt sich die Enttäuschung aber noch in Grenzen, beim anderen Roman war sie allerdings doch ziemlich groß. Diese beiden Leseerfahrungen haben mich dann auch zugegebenermaßen in das erste ernstere Lesetief dieses Jahres gestürzt, denn danach wusste ich erstmal gar nicht mehr, was ich lesen sollte bzw. wollte, da ich Angst hatte, wieder danebenzugreifen. Jetzt, drei Wochen später, habe ich mich zum Glück wieder ein bisschen davon erholt und scheine wieder ein etwas besseres Händchen für die Lektürewahl zu haben. Sicherlich fragt ihr euch wahrscheinlich schon, welche beiden Bücher mich in diese kleine Krise gestürzt haben, deswegen schwinge ich jetzt besser nicht noch längere Reden und lasse die Katze aus dem Sack:

Gelesen im August 2017

The Ministry of Utmost Happiness von Arundhati Roy: Wie im letzten Leserückblick erwähnt, hatte ich ja bereits ein paar Schwierigkeiten mit Roys Debütroman The God of Small Things. Allerdings tat das meiner Neugier auf ihren neuen Roman keinen Abbruch. Also habe ich es gewagt. Die Leseerfahrung war dieses Mal jedoch eine ähnlich frustrierende. Ich bin mit dem Buch, der Geschichte und auch seinen Figuren einfach nie richtig warmgeworden. Die größten Schwierigkeiten bereiteten mir hier aber tatsächlich die große Anzahl an Charakteren sowie die ständigen Zeit- und Perspektivwechsel, wegen derer es mir extrem schwerfiel, einen Überblick über das Geschehen zu behalten. Aus diesen Gründen empfand ich die Lektüre leider als ziemlich zäh, auch wenn mir Roys exzellente Sprache und Stil hier sehr viel besser gefallen haben als im Falle von The God of Small Things. Nichtsdestotrotz bin ich vor allem auch vor dem Hintergrund der gestrigen Lesung von Arundhati Roy in Tübingen, über die ich wohl bald noch berichten werde, der festen Überzeugung, dass es sich hier um ein grandioses Buch handelt – vielleicht habe ich es nur zu einem falschen Zeitpunkt in Angriff genommen.

Iman von Ryad Assani-Razaki: In diesen Roman hatte ich so große Hoffnungen (und vielleicht auch etwas zu hohe Erwartungen) gesetzt und wurde leider sehr enttäuscht. Mir hat an Assani-Razakis Geschichte über eine afrikanische Freundschaft nur sehr wenig gefallen – im Grunde waren das, wenn ich ehrlich bin, nämlich nur die ersten paar Kapitel, welche sogar ziemlich vielversprechend klangen. Doch von da an ging es eigentlich nur noch bergab: Die Sprache und der Stil des Autors haben mir überhaupt nicht zugesagt (ich empfand sie häufig als ziemlich plump und simpel), es gab für meinen Geschmack ein paar zu viele Zufälle, sämtliche Charaktere erschienen mir unheimlich lieblos und die Wendung am Schluss empfand ich als ziemlich unglaubwürdig. Auch wenn andere von diesem Buch sehr begeistert scheinen, würde ich denjenigen, die an afrikanischer Literatur interessiert sind, ganz andere und meiner Meinung nach deutlich überzeugendere Bücher empfehlen.

Neuzugänge im August 2017

Auch im letzten Monat durften wieder ein paar neue Bücher in mein Regal einziehen – und die Auswahl könnte kaum unterschiedlicher sein:

Iman von Ryad Assani-Razaki: Ich war bereits vor einiger Zeit auf Instagram auf dieses Buch gestoßen und war mir anhand des Klappentextes sicher, dass dieser Roman genau das Richtige für mich wäre. Tja, wie oben zu lesen ist: Weit gefehlt.

Anatomie der Wolken von Lea Singer: Dank der lieben Sarah vom Blog Studierenichtdeinleben bin ich auf diesen Roman aufmerksam geworden und ich war sofort Feuer und Flamme für dessen Idee, denn hier geht es um zwei meiner liebsten historischen Persönlichkeiten: Johann Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich. Ich konnte einfach nicht anders, ich musste das Buch sofort haben! Nun freue ich mich darauf, es bald einmal zu lesen.

The Beauty and the Sorrow: An Intimate History of the First World War von Peter Englund: Mal wieder – surprise, surprise – ein Buch über den Ersten Weltkrieg. Diesmal allerdings keine Fiktion, sondern ein Sachbuch. Hier schildert Englund die Kriegserfahrungen anhand von Briefen und Tagebucheinträgen von Soldaten und Zivilisten aus vielen verschiedenen Ländern. Ein unheimlich interessanter Ansatz, wie ich finde, allerdings hat mich bis jetzt noch ein bisschen die Seitenanzahl (das Buch hat stolze 532 Seiten) davon abgehalten, sofort mit der Lektüre des Buches zu beginnen…

Im Rückblick betrachtet war der August also ein ziemlich unbefriedigender Lesemonat. Zwar war ich am Anfang des Monats nicht davon ausgegangen, dass ich viele Bücher lesen würde, aber ich hatte zumindest gehofft, dass mir die geplanten Bücher wenigstens Spaß bereiten würden. Am Ende waren es jedoch zwei eher frustrierende Leseerlebnisse, für die ich jeweils länger brauchte, als ursprünglich erwartet. Danach hat es dementsprechend auch ein Weilchen gedauert bzw. ein Knallerbuch gebraucht, um wieder aus dem kleinen Lesetief zu kommen. Aber ich habe es ja zum Glück geschafft. Doch davon dann mehr im nächsten Leserückblick!

Nun zu euch: Welche Bücher habt ihr denn in den letzten Wochen gelesen und welche Schätze sind neu hinzugekommen? Wie immer würde ich mich über Kommentare und Empfehlungen freuen!

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