Rezension: “Das Nest” von Katrine Engberg

Kopenhagens schrecklich „nette“ Familien

Früher haben sich kaum bis eigentlich gar keine Krimis oder Thriller auf meinen Lesestapel verirrt. Der Großteil dieser Genres erschien mir oft viel zu reißerisch, blutig, mitunter auch banal und – gemessen an meinen literarischen Vorlieben – sprachlich viel zu anspruchslos. Die dänische Autorin Katrine Engberg hat mich vor einigen Jahren glücklicherweise eines Besseren belehrt und mit ihrer 2016 begonnen Kopenhagen-Serie um das Ermittlerduo Anette Werner und Jeppe Kørner gezeigt, dass es in diesem Genrebereich auch durchaus anders geht. Seitdem freue ich mich auf jede Fortsetzung, denn mit jedem Teil ihrer Thrillerreihe konnte Engberg bisher noch eine Schippe drauflegen: Während sie mit Krokodilwächter schon einen fulminanten Start hingelegt hatte, konnte mich der Nachfolger Blutmond noch ein bisschen mehr mitreißen und Glasflügel hat mich wirklich restlos begeistert. Groß war deshalb meine Vorfreude auf, aber noch etwas größer waren auch meine Erwartungen an Das Nest, den vierten und vorletzten Teil der Serie, den ich schließlich im Urlaub innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Zwar kommt der neueste Fall von Werner und Kørner nicht ganz an das extrem spannungsreiche Tempo seiner Vorgänger heran und weist am Ende die ein oder andere kleine Ungereimtheit auf, dennoch liefert Engberg hier mit Das Nest wieder ein sprachlich brillantes und thematisch vielfältiges sowie relevantes Werk mit liebevoll gestalteten und vor allem unglaublich authentischen Charakteren, die man wegen oder auch trotz all ihrer Stärken und Schwächen – sprich gerade aufgrund ihrer Menschlichkeit – nur ins Herz schließen kann.

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Bericht: Lesung von Melanie Raabe am 29. November 2018 in Ravensburg

Ein literarischer Kurztrip nach Wien

Letzten Donnerstag habe ich meine sieben Sachen zusammengepackt und bin eine (kleine) Reise angetreten: Einmal quer über den Bodensee ging es nämlich auf einen Abstecher nach Wien, äh, Ravensburg. Dort las nämlich Bestsellerautorin Melanie Raabe in der Buchhandlung RavensBuch aus ihrem neuen Thriller „Der Schatten“ und nahm das Publikum dabei mit auf einen literarischen Kurztrip in die österreichische Hauptstadt. Nach der tollen Lesung im Frühjahr vergangenen Jahres hatte ich, nachdem ich erfuhr, dass die Autorin auf dieser Lesereise wieder einen Stopp in Ravensburg einlegen würde, dem Termin monatelang entgegengefiebert und wurde nicht enttäuscht: Die Lesung war ein grandioser Abschluss meiner Lesungssaison, die im Frühsommer ebenfalls bei RavensBuch mit Robert Seethaler bereits fantastisch begonnen hatte.

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Bericht: Lesung von Melanie Raabe am 21. März 2017 in Ravensburg

Ein Ausflug in die Welt des Thrillers

Drei Lesungen innerhalb drei Wochen, also jede Woche eine? Kann man mal machen, dachte ich mir. Und vor allem: Daran könnte man sich definitiv gewöhnen! So stand nach den beiden Lesungen von Benedict Wells und Takis Würger  für mich letzte Woche noch eine weitere an: Melanie Raabe legte auf ihrer Lesereise zu Die Wahrheit nämlich einen Stopp in Ravensburg ein und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zwar hatte ich bis zum Zeitpunkt des Kartenkaufs noch nicht einmal einen ihrer Romane gelesen, aber ich war ihr schon eine Weile auf diversen Social Media-Kanälen gefolgt und mir schien die Autorin einfach so unfassbar sympathisch, dass ich sie gerne einmal live sehen und lesen hören wollte. Abgesehen davon war die anstehende Lesung auch die optimale Motivation dafür, bis dahin zumindest Die Falle zu lesen – wenigstens ein bisschen wollte ich mitreden können.

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Rezension: “Crossbones” von Nuruddin Farah

Chaos, Terroristen und „Piraten“: Ein zeitgenössisches Porträt Somalias

Vor einigen Wochen habe ich mit The Orchard of Lost Souls von Nadifa Mohamed bereits einen Roman vorgestellt, der in Somalia spielt und die Anfänge des bis heute andauernden landesweiten Konflikts schildert. In jener Rezension habe ich auch Mohameds Landsmann und Schriftstellerkollegen Nuruddin Farah erwähnt, der sich in all seinen Werken mit seinem Heimatland beschäftigt und seine aktuellste Trilogie ebenfalls dem Somalischen Bürgerkrieg widmete. Crossbones, der letzte Teil dieser Trilogie, behandelt eine der aktuellsten Episoden in der Geschichte des Landes: Den Aufstieg von religiösen Fanatikern, Terroristen und Piraten. In einem politischen Thriller beschreibt Farah die explosive Stimmung in Somalia gegen Ende des Jahres 2006 und rückt – auch als Reaktion auf die westliche Berichterstattung – die gesellschaftlichen und historischen Geschehnisse in dem Land in ein neues Licht.

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